Senioren ans Netz – via Tablet und Co.

BASE Tabs fuer Senioren

Bild: E-Plus Gruppe Fotostream, BASE Tabs für Senioren - www.flickr.com

Die Titel klingen oftmals ähnlich: „Android für Smartphones & Tablets - Leichter Einstieg für Senioren - die verständliche Anleitung“ oder „Android Tablets & Smartphones. Der Ratgeber für Senioren“. Abgerundet wird das Sammelsurium an Praxisbüchern von unzähligen Onlineratgebern, kompletten Internetseiten und gar eines speziell für die ältere Generation entwickelten Tablets. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr? Von wegen! „1,6 Millionen Senioren nutzen Tablet-Computer.“ So lautete die Quintessenz einer Pressemitteilung von bitkom bereits im Jahr 2015. Bei 17 Millionen Männern und Frauen in Deutschland ab 65 Jahren sind das ganze 9,4 Prozent. Klingt nicht viel, die ARD/ZDF-Onlinestudie 2016 setzt aber noch eins drauf: Nur ein Jahr später nutzen bereits 13 Prozent der Senioren über 70 Jahre ein Tablet. In der Altersgruppe von 50 bis 69 Jahren surfen sogar 31 Prozent der Befragten mit derart mobilen Geräten im Internet. Tendenz steigend. Im Vergleich: Die Hälfte der 50 bis 69-Jährigen gehen bereits via Smartphone ins World Wide Web, fast ein Viertel der Probanden ab 70 Jahren tut es ihnen gleich. Sätze wie „Dafür bin ich zu alt.“? Fehlanzeige!

Dennoch gibt es Unterschiede im Nutzungsverhalten. Nicht unbedingt bei den Haupttätigkeiten, denn diese unterscheiden sich nicht groß voneinander: Den Senioren sind die Kommunikation, die Information und die Mediennutzung genauso wichtig, wie der jüngeren Bevölkerung – nur bedienen sie sich dabei weniger der Onlinecommunitys oder Instant Messaging-Diensten. Es ist eher die Art und Weise, wie sie sich mit Tablets & Co auseinandersetzen, sagen die Probanden einer Studie der E-Plus-Gruppe in Kooperation mit der Stiftung Digitale Chancen. Sie brauchen dabei Unterstützung, Motivation und Hilfe – sei es auch nur beim Einrichten eines Benutzerkontos. Diese gibt es nun auch seitens des SAEK Chemnitz. „Tabletnutzung für Senioren“ heißt die Kursreihe, die neben der grundlegenden Bedienung der Geräte ebenso die Sicherheit, den Datenschutz aber auch die Mediennutzung und Kommunikation beinhaltet.

„Klar habe ich mir die passenden Bücher dazu gekauft und mir darin auch schon einiges angelesen. Trotzdem bin ich vorsichtig, was die Bedienung angeht“, erzählt ein Teilnehmer. Er ist 62 Jahre alt, interessiert sich für Computer und probiert gern herum. Deswegen besitze er Computer, Laptop, Smartphone und ein Tablet. Deswegen habe er sich auch mit Hilfe von Praxisbüchern je in die Thematik eingearbeitet. Deswegen war er im SAEK Chemnitz: Zu präsent sei die Angst, doch etwas zu verstellen und es dann nicht wieder rückgängig zu bekommen. Learning by Doing sei eben viel ansprechender, als sich alles selbst erarbeiten zu müssen, sagt seine Frau. „Wenn etwas nicht geht, kann ich direkt nachfragen.“ Denn eigentlich habe sie keine Ahnung von Tablets, hat alles ihr Mann eingerichtet. Sie sitze aber in diesem Kurs, weil sie in der Beschreibung viele Parallelen zur Handynutzung entdeckt habe. Zumal die Benutzerhandbücher sehr umfangreich und vor allem nicht immer in gedruckter Version den Geräten beiliegen, konstatiert eine weitere Kursteilnehmerin.

Warum der ganze Aufwand? Es hat auch etwas mit Komfort zu tun. Der Rechner ist gerade heruntergefahren worden und da fällt einem doch noch etwas ein. „Ein Tablet ist da einfach schneller an“, nennt eine Kursteilnehmerin die Vorteile mobiler Geräte. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass man sie überall mit hinnehmen kann und sie weniger Platz wegnehmen. „Man kann die Tablets wie ein Buch ins Regal stellen. Irgendwann möchte ich gern alles damit machen können“, sagt der 62jährige Computerinteressierte. Dafür habe er sich extra eine Funkmaus und eine Bluetooth-Tastatur gekauft. Der Kurs im SAEK Chemnitz bringe ihn diesem Traum ein bisschen näher: Er kenne nun weitere Funktionen, von denen er vorher nichts wusste. „Ich hatte mir zum Beispiel überlegt, wie ich mein Tablet mit einem Scanner verbinden kann. Durch die Foto- und Screenshots-Möglichkeiten ist das ja gar nicht mehr nötig.“ Generell könne man so viel machen. Ein Kollege überwache damit zum Beispiel sein Haus – wenn es durch jemand Fremdes betreten werde, könne er sogar den Einbrecher sehen.

Zwei Wochen hat der Einführungs- und Aufbaukurs im SAEK Chemnitz gedauert. Zehn Tage, in denen die Teilnehmer gelernt haben, was es mit einem Google-Konto auf sich hat, welche Einstellungen bezüglich der Datennutzung, Manager sowie Anwendungen möglich sind, mit welcher App Bilder ganz einfach bearbeitet werden können und wie die Gerätesicherheit erhöht werden kann. Zehn Tage, die die Senioren ein Stück weit unabhängiger gemacht haben. Zehn Tage, in denen sich die Männer und Frauen zunehmend für Apps begeistern konnten. „Ich wünsche mir nun zu Weihnachten einen Gutschein für den PlayStore“, freut sich der 62-Jährige auf die besinnliche Zeit.

Weiterführende Links:

ARD/ZDF Onlinestudie

Bitkom Studie

Tablet PCs für Seniorinnen und Senioren. Untersuchungs- und Erfahrungsbericht

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SAEK Chemnitz in neuem Domizil

Projektpartner, Kursteilnehmer und Freunde des SAEK Chemnitz werden nunmehr in der Ludwigstraße 24 begrüßt.

Der neue Standort bietet mit freundlichen, hellen und liebevoll gestalteten Räumen eine perfekte Atmosphäre zur Durchführung von Projekten und Kursen. Zudem ermöglichen viele grüne Drehorte im Umfeld ideale Bedingungen für Außendrehs. Weitere Zugewinne stellen das extra-große Fernsehstudio und die besseren Parkmöglichkeiten dar.

Das Team des SAEK Chemnitz freut sich auf viele spannende und ereignisreiche Projekte.

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Medienpädagogische Arbeit vs. Integration von Flüchtlingen

Eine GMK-Mitgliederbefragung brachte es auf den Punkt: Die medienpädagogische Arbeit muss zur Integration von Flüchtlingen wirkungsvoll vorangetrieben werden. Sie hilft vor allem die Vielfalt der Kulturen wertzuschätzen und die Differenzen in Sprachen, Traditionen und Religionen anzuerkennen. In einer globalisierten Welt werden interkulturelle Kompetenzen immer wichtiger.


Smartphones, Apps und Laptops

Internetnutzung spielt bei den geflüchteten Jugendlichen eine große Rolle. Sie nutzen die digitalen Medien um mit ihren Familien in Kontakt zu bleiben, weitere Informationen über Fluchtwege zu erhalten und Notrufe abzugeben. Nach ihrer Ankunft im Aufnahmeland werden digitale Medien zur Orientierung, zur Nachrichtensuche und zum Erlernen der deutschen Sprache genutzt.





Leider bieten viele Auffanglager und Unterkünfte keinen Internetzugang an und es gibt nicht genügend Computer um Schulaufgaben erledigen zu können. Darüber hinaus werden die Jugendlichen kaum über Datenschutzmaßnahmen informiert.

Integration Geflüchteter durch Medienpädagogik fördern

Gerade da muss die Medienpädagogik ansetzen um Geflüchtete effektiv zu unterstützen. Die GKM Studie hat ermittelt, dass sich die medienpädagogische Arbeit noch am Anfang befindet und nicht genügenden Fachkräfte zur Verfügung stehen. Oft unterstützen Ehrenamtliche in interkulturellen Einrichtungen die Jugendlichen bei medienpraktischen Projekten wie fotografische Stadteilerkundungen und selbstproduzierte Erklärfilme. Hauptsächlich geht es um die Förderung des Selbstwertgefühls, dass sie ihre Erfahrungen und Wertvorstellungen in die gemeinsame Arbeit mit einbringen. Bislang werden Erwachsene oder gemischte Altersgruppen kaum angesprochen, die vorwiegenden Zielgruppen sind Jugendliche und Kinder.

Die Einrichtungen sind auf finanzielle Unterstützung angewiesen, um medienpädagogische Fachkräfte mit hohen Kompetenzen einzusetzen. Laut der GMK-Mitarbeiterbefragung besteht eine hohe Bereitschaft und ein kreatives Potential bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die medienpädagogischen Angebote reichen von Informationen rund um das Thema Flucht (Bundeszentrale für politische Bildung) über ein Refugee Radio (ALEX Berlin), Kino für Flüchtlinge (Gallus Zentrum Frankfurt), visuelle Medienprojekte zur Alltagsorientierung (GMK-M-Team), Filme zum Thema Flucht und Interkulturalität (Medienprojekt Wuppertal) bis hin zu einem Blog von Flüchtlingen für Flüchtlinge (medien+bildung.com).

Finanzielle Förderungen und gezielte Förderprogramme

Damit sich die Flüchtlinge die Fähigkeit aneignen können, das Internet und weitere Medien uneingeschränkt risiko- und medienkompetent zu nutzen, werden zukünftig gezielte Förderprogramme benötigt um die medienpädagogische Arbeit mit Fachkräften zu gewährleisten. Laut GMK sind nachhaltige Maßnahmen dringend notwendig. Die GMK als medienpädagogischer Dach- und Fachverband bietet ihre Kompetenzen und Fachkenntnisse für die Medienarbeit mit Geflüchteten an und schlägt folgende Maßnahmen vor.

  • Bereits vorhandene Aktivitäten sind zu bündeln und sichtbar zu machen, damit andere aus den Good-Practice-Beispielen lernen können.
  • Multiplikator/-innen sollten medienpädagogisch und interkulturell geschult werden, damit medienpädagogische Aktivitäten in die Breite getragen werden können. Das beginnt bei der Fortbildung von Erzieherinnen und Erziehern, reicht über die Fortbildung von Lehrkräften bis hin zu Sozialarbeiter/-innen und Therapeut/-innen.
  • Um die Sprachprobleme zu reduzieren, wäre es u.a. hilfreich, Flüchtlinge, beispielsweise im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres, in die medienpädagogische Arbeit mit Geflüchteten einzubeziehen.

Beispiele von medienpädagogischer Flüchtlingsarbeit/Mitglieder der GMK und ihre Angebote:


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Kinder in der digitalen Welt

Ob am Tablet, Smartphone oder Laptop, fast die Hälfte der 6- bis 8-Jährigen sind bereits online unterwegs. Online-Spiele und Recherche für die Schule zählen zu den häufigsten Tätigkeiten der Grundschüler im Internet. Aber ist das wirklich alles, was Kinder im Internet machen? Sollten Eltern ihre Kinder unterstützen und leiten, oder lernen Kinder allein sich in der Welt des World Wide Webs zurechtzufinden?

Das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) hat Ende Juni eine Studie zum Thema „Kinder in der digitalen Welt“ veröffentlicht. Diese beschäftigte sich mit 3- bis 8-Jährigen Kindern und der Sicht der Eltern zum Thema Internet und digitale Medien. Dadurch sollen Eltern auf ihre Fragen wissenschaftlich untermauerte Antworten bekommen und sowohl auf Chancen als auch auf Risiken hingewiesen werden.

Zentrale Befunde der Studie

Jedes zehnte dreijährige Kind ist bereits online unterwegs. Dabei handelt es sich nur selten um das direkte Surfen im Internet, sondern vielmehr um die Nutzung von Spiele-Apps auf dem Smartphone oder Tablet, welche meistens eine Internetverbindung brauchen. Oft können diese schon von Kindern ohne Lese- und Schreibfähigkeiten problemlos verwendet werden, denn die dafür verwendeten Symbole erkennen Kinder problemlos. Erst mit dem Schuleintritt und der damit erworbenen Lese- und Schreibfähigkeit lösen die Computer/Laptops die mobilen 'Spielkonsolen' als meistgenutztes Endgerät ab und das Internet gewinnt immer mehr an Bedeutung. Dabei sind schon zwischen Jungs und Mädchen gewisse Interessenunterschiede zu erkennen. Während die Jungs eher spielorientiert im Internet vorgehen, benutzen die Mädchen dieses gern zum Recherchieren von Informationen. Auch der Bildungsgrad der Eltern entscheidet oft darüber, ob die Kinder im Internet nur spielen oder dieses auch für Lernzwecke einsetzen. Hierbei spielt der Vorbildcharakter eine ganz wichtige Rolle, denn Kinder schauen sich sehr viel von ihren Eltern und Geschwistern ab. Das merkt man auch daran, wie sicher diese im Umgang mit digitalen Medien sind. Je selbstverständlicher Eltern mit digitalen Medien umgehen, desto sicherer sind auch ihre Kinder damit. Bis zum Schuleintritt sind Eltern die zentralen Ansprechpartner zum Thema Internet, werden jedoch von Freunden mit Beginn der Schulzeit langsam abgelöst.

Chancen und Risiken von digitalen Medien

„Das Internet ist eine große Gefahr für Kinder. Sie sind Werbung, Gewalt und Pornografie hilflos ausgesetzt.“ Diese Aussagen hört man oft, wenn es um das Thema Kinder und Internet geht. Doch mit dem Schuleintritt ist das Internet mittlerweile aus dem Kinderalltag gar nicht mehr wegzudenken. Veraltete Bücher wälzen um Informationen zu finden ist meist zu zeitaufwendig für Kinder oder gar nicht möglich, weil die entsprechende Fachliteratur im Haushalt fehlt. Also wird für das Suchen von Informationen oder Lösen von Hausaufgaben das Internet zurate gezogen, denn da gibt es ein großes Wissens- und Informationsangebot.

Auch Computerspiele bergen gewisse Chancen als Bildungsmedien. Einerseits bieten sie den Kindern Entspannung und Unterhaltung. Andererseits kann die Motivation für das Lernen mit qualitativ gut gemachten Lernspielen gesteigert werden. Gleichzeitig wird beim Spielen die kindliche Motorik und Konzentrationsfähigkeit geschult und weiterentwickelt. Die Vielzahl von Potenzialen, welche digitale Medien den Kindern bieten, lässt Eltern oft über die Risiken der Internetnutzung hinwegsehen.

Die Kinder lernen schnell, dass die App-Werbung nicht angeklickt werden soll und dass diese beim Spielen stört. Doch sobald sich Kinder frei im Internet bewegen, steigt die Gefahr auf kindergefährdende Inhalte zu stoßen. Soziale Netzwerke bringen ebenfalls neue Gefahren mit sich. Kinder können zumeist die Folgen von zu nachlässigem Umgang mit persönlichen Daten nicht abschätzen. Sie müssen erst lernen welche Inhalte öffentlich preisgeben werden können und welche eher für den engen Freundeskreis bestimmt sind. Durch unkontrollierte Kommunikation werden Kinder- und Jugendliche häufig Opfer von Mobbing. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern mit zunehmendem Alter ihre Kinder in der digitalen Welt nicht allein lassen. Ganz im Gegenteil, je älter die Kinder werden, desto wichtiger spielt das Thema Sicherheit im Netz eine Rolle.

Wie kann man Kinder im Internet schützen?

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat auf der Webseite www.surfen-ohne-risiko.net vielfältige Möglichkeiten zusammengefasst, wie man Kinder im Umgang mit digitalen Medien unterstützen kann. Außerdem werden kindgerechte Internetseiten und Suchmaschinen vorgestellt. Eine dieser Seiten ist www.blinde-kuh.de, eine Suchmaschine, welche zu geprüften Kinderseiten führt. Ob Musik, Spiele, Geschichten oder Tiere, für jedes Kind gibt es hier eine Rubrik zu entdecken. Doch woher weiß man, was gute Kinderseiten auszeichnet? Ein wichtiger Punkt ist die Werbefreiheit, aber auch Übersichtlichkeit und das Einhalten des Jugendschutzgesetzes gehören dazu. Deshalb ist es wichtig, dass die Eltern selbst einmal sich mit den Webseiten beschäftigen, bevor sie ihre Kinder heranlassen. Eltern sollten vor allem am Anfang ihre Kinder nicht selbstständig das Internet erkunden lassen, sondern mit ihnen gemeinsam surfen und alle Schritte besprechen. Somit lernen Kinder schon früh die Gefahren zu erkennen und sie zu umgehen. Auch wenn das Internet für manche Kinder längst kein Neuland mehr ist, sollten die Eltern immer wieder das Gespräch mit ihren Kindern über das Erlebte im Netz suchen.

Eine weitere Möglichkeit ihre Kinder vor Gefahren im Internet zu schützen ist das Einrichten eines kostenlosen KinderServers: www.kinderserver-info.de. Ist dieser erst einmal auf dem Gerät installiert und aktiviert, so können nur noch von dem KinderServer freigegebene und geprüfte Internetseiten aufgerufen werden.

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Virtuelle Realität vs. Medienpädagogik

3D-Kino ist schon vielen ein Begriff, doch nun finden sich immer öfters 360° Filme und auch in der Welt der Spiele gibt es immer öfters Menschen mit einer Brille auf dem Kopf, die sich eigenartig bewegen. Diese Entwicklung nennt sich Virtuelle Realität, kurz VR.

Dabei taucht der Betrachter in eine scheinbare Welt, welche vom Computer erschaffen wurde. Die eigenen Bewegungen werden in diese Welt übertragen um das Erlebnis so real wie möglich zu gestalten. Doch ist dies wirklich eine neue Erfindung des 21. Jahrhunderts und welche Möglichkeiten für die medienpädagogische Arbeit bietet sie?

Geschichte der Virtuellen Realität

Der Begriff Virtual reality wurde von dem Autor Damien Broderick in seinem 1982 erschienenen SF-Roman The Judas Mandala geprägt. Dabei wurde die erste passive VR-Spielekonsole der Welt bereits 1962 von Morton Heilig patentiert. Die „Sensorama“, ein Spieleautomat der mit 3D Filmen in Farbe und einem Stereoton, sowie Geräuschen, Wind und einer Rüttelautomatik ausgestattet war.

1966 entwickelte Ivan Sutherland den ersten Head Mounted Display (HMD). Der HMD war jedoch so schwer, dass er von keinem Menschen getragen werden konnte. Deshalb wurde er fest unter der Raumdecke verbaut. Dargestellt werden konnten jedoch erst nur kleine Drahtmodelle. Weiterentwickelt wurden diese Systeme in den 80er Jahren von der NASA und fanden lange Zeit ihren Nutzen im Militär oder in der Industrie.

Erst um 2012 tauchte die Virtuelle Realität wieder in der Spieleindustrie auf. Durch die Gründung der Firma Oculus konnte die Entwicklung einer VR-Brille für den Computer vorangetrieben werden. Die erste Version der „Oculus Rift Brille“ wurde dann Anfang 2013 ausgeliefert. (Später wurde das Unternehmen Oculus von Facebook gekauft.) Ein Jahr später zog Sony mit einer eigenen VR-Brille für die PS4. 2014 brachte Google das Google Cardboard auf den Markt. Dies ist eine Halterung aus Karton, welche aus jedem Smartphone eine VR-Brille macht. Google Cardboard bietet Entwicklern eine einfache Möglichkeit, erste Schritte bei der Entwicklung von VR-Anwendungen zu machen.


Wie funktioniert Virtuelle Realität?

Damit der Nutzer vollkommen in die virtuelle Welt eintauchen kann, werden Augen und Ohren mit speziellen Ausgabegeräten bedeckt. Dabei ist das Head Mounted Display (HMD) am bekanntesten. Dieses erzeugt zwei Bilder aus unterschiedlichen Perspektiven (Stereoprojektion), damit der Nutzer einen räumlichen Eindruck bekommt. Diese werden dem menschlichen Auge zugeordnet.

Für die Interaktion in der virtuellen Welt werden wiederum spezielle Eingabegeräte benötigt. Am bekanntesten sind die 3D-Maus, der Datenhandschuh oder der Flystick. Beim Flystick wird zum Beispiel ein optisches Trackingsystem genutzt. Eine Infrarot-Kamera nimmt die Bewegungen des Flysticks auf und übernimmt diese in die virtuelle Welt.

Einsatzmöglichkeiten für die Virtuelle Realität

Heutzutage profitiert nicht nur das Militär von der Virtuellen Realität. Besonders in der Forschung wird sie immer öfters eingesetzt. Somit können zum Beispiel Vorgänge oder Bestandteile in der Chemie oder Physik in anderen Größendimensionen simuliert werden und somit das Verständnis erleichtern. Außerdem zieht die Medizin auch viele Vorteile aus der Virtuellen Realität. Somit können angehende Ärzte wichtige Operationen üben oder aus Sicht des Arztes Verfolgen und daraus lernen. So ähnlich wie der Flugsimulator für den Piloten. Auch die Psychologie arbeitet bereits aktiv mit virtuell erzeugten Welten, um Phobien zu bekämpfen, ohne dass der Betroffene sich wirklich auf das Dach eines Hochhauses oder in einen engen Fahrstuhl stellen muss.

Für die Medienindustrie ist VR hochinteressant. So könnte man zum Beispiel die Zuschauer mit 360° Kameras direkt ins Geschehen katapultieren. Der Livestream eines Konzertes ist aus ganz neuen Perspektiven zu sehen. Aber auch die Berichterstattung könnte die Zuschauer mit in ein Krisengebiet nehmen.

Chancen für die Virtuelle Realität und in der medienpädagogischen Arbeit

Auch in der Medienpädagogik gibt es erste Ansätze, sich mit VR auseinander zu setzen:

Durch das Projekt mein-guckkasten (http://medienundbildung.com/mein-guckkasten/), ist es nun für wenig Geld möglich, sich selbst VR-Brillen aus Pappe zu basteln. Somit lernen die TeilnehmerInnen schon beim Bau der eigenen Brille die Funktionsweise dieser Technik kennen und können sich nach dem Testen von einigen Apps kritisch mit dem Thema auseinander setzen. Außerdem kann man durch das Aufnehmen von Kugel-Panoramen zeigen, dass es weit mehr als nur eine Spieletechnologie ist. Das praktische dabei ist, dass man diese Technologie immer mit dem Smartphone parat hat und Facebook, sowie YouTube 360° Filme mittlerweile unterstützen. Für die Medienpädagogik wird VR in den nächsten Jahren immer mehr in den Focus rücken, insbesondere im Bereich Games. Inwieweit diese Technik im Bereich der Bildung und Gestaltung medienerzieherisch eingesetzt werden kann, bleibt abzuwarten.


Quellen:

https://www.medienpaedagogik-praxis.de/tag/virtuelle-realitat/

http://medienundbildung.com/mein-guckkasten/

https://www.basicthinking.de/blog/category/kolumnen-serien/virtual-reality/

https://de.wikipedia.org/wiki/Virtuelle_Realit%C3%A4t

http://www.sueddeutsche.de/digital/zukunft-der-datenbrillen-reale-traeume-von-der-virtuellen-welt-1.2380700

http://vrforum.de/showthread.php/14-Die-Geschichte-der-virtuellen-Realit%C3%A4t

Mitschriften von einer Weiterbildung der W + M 2000 GmbH im November 2015

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Monatsthema Oktober 2015: Rundfunkpreise für die SAEK in Zwickau und Chemnitz

Bereits zum elften Mal wurde der Rundfunkpreis Mitteldeutschland im Bereich Bürgermedien verliehen. Ausgezeichnet werden dabei Programmbeiträge privater nichtkommerzieller Hörfunk- und Fernsehproduzenten. Auch die beiden SAEK-Standorte Zwickau und Chemnitz räumten in diesem Jahr zwei der begehrten Preise ab.

Das Gewinnerteam v.l.n.r.: Marsel Krause (SAEK Zwickau), Hannelore Hässelbarth, Manuela Engel,  Alexander Karpilowski (SAEK Zwickau)

Das Gewinnerteam v.l.n.r.: Norma Kux (SAEK Chemnitz), Ronja Krakow, Lina Görnert, Aaron Görnert, Sebastian Steger (SAEK Chemnitz)

 "Unsere MS und ich"

"Unsere MS und ich" - das ist der Titel der preisgekrönten Kurzfilmreihe, die die Selbsthilfegruppe "MS-Juniors" gemeinsam mit dem SAEK Zwickau im Zeitraum von einem halben Jahr produzierte. Darin zeigen drei an MS Erkrankte wie die Krankheit ihr Leben beeinflusst und wie sie und ihr Umfeld damit umgehen. In den Filmen sind die Betroffenen Protagonisten und Filmemacher zugleich, was einen authentischen Einblick in den Alltag ermöglicht. Das sah auch die Jury des Rundfunkpreises Mitteldeutschland so und prämierte die Filmreihe mit dem "Länderpreis Sachsen" und einem Preisgeld in Höhe von 500 Euro.

Dietmar Hässelbarth und Marsel Krause beim Außendreh

 "Kinderlärm in Chemnitz"

Auch der SAEK Chemnitz konnte bei der diesjährigen Preisverleihung große Erfolge verzeichnen. Die Kinderredaktion "Jokis" wurde für ihren Audiobeitrag "Kinderlärm in Chemnitz" mit dem ersten Platz in der Kategorie "Nachwuchs bis 18 Jahre" bedacht und erhielt ein Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro. Der Beitrag geht dem Spannungsverhältnis zwischen Alt und Jung auf den Grund. Dafür haben sich die Jokis auf der Straße umgehört und den Bürgermeister für Jugend und Soziales Philipp Rochold interviewt. Heraus gekommen ist laut Jury ein "launiger Beitrag mit interessanten Originaltönen".

Lina Görnert (10) im Interview mit dem Bürgermeister Philipp Rochold


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Monatsthema September 2015: Soziale Netzwerke als Risiko für die Gesundheit?

Iphone-Facebook

Ein "Gefällt mir"-Klick bei Facebook, ein kurzer Tweet bei Twitter oder ein Selfie bei Snapchat: Jugendliche können sich ihren Alltag kaum noch ohne soziale Netzwerke vorstellen, vier von fünf Jugendlichen nutzen laut aktueller JIM-Studie das Internet täglich. Fast drei Stunden verbringt man online - Zeit, die durch Facebook, Instagram und Co. dominiert wird.

Doch welche Auswirkungen hat dieses Verhalten auf die Gesundheit der Heranwachsenden? Sind soziale Netzwerke wirklich ein Risiko für die psychische Gesundheit?

Neue Studie: Intensive Nutzung führt zu psychischen Gesundheitsproblemen bei 12- bis 17-Jährigen.

Untersuchungen, welche sich mit der Beziehung zwischen Nutzung von sozialen Netzwerken und gesundheitlichen Problemen beschäftigen, gibt es bisher nur wenige. Doch nun warnt eine neue Studie der Gesundheitsagentur „Ottawa Public Health“ vor zu häufiger Social-Media-Nutzung. Ausgewertet wurden dabei die Daten von 750 Schülern der Klassen sieben bis zwölf (12-17 Jahre), welche Fragen zu ihren Social-Media-Gewohnheiten sowie zur psychischen Gesundheit und Wohlbefinden beantworteten.

Die Ergebnisse der 2014 durchgeführten Untersuchung: Bei einer Nutzung von mehr als zwei Stunden täglich kann es zu schweren psychischen Störungen, Depressionen und suizidalen Gedanken führen. Rund 25 Prozent aller Schüler gab an, sich mindestens zwei Stunden täglich auf sozialen Plattformen aufzuhalten. Besonders Intensivnutzer berichteten über schlechtere psychologische Zustände als wenig Nutzer. Angst, Depression, Selbstmordgedanken und unerfüllte psychische Bedürfnisse wurden während der Untersuchung überproportional benannt. Besonders Jugendliche mit einer labilen Persönlichkeit nutzen soziale Netzwerke, um sich besser zu fühlen.

Facebook-Nutzung aus Angst vor sozialer Isolation

Allerdings wurde die Studie der Ottawa Public Health nicht auf kausale Zusammenhänge überprüft: Eine Verbindung zwischen der ausschließlichen Nutzung von sozialen Netzwerken mit den angegeben Arten von psychischen Störungen wurde somit nicht untersucht.
Vielmehr bestärkt die Untersuchung eine längst schon angenommene Tatsache: Die Mediennutzung von Facebook, Instagram und Co. dient als erheblicher Verstärker für Jugendliche mit psychischen Schwächen, ebenso für den Kreis der Mediennutzer, die sich ohne ihr Social Media Account unvollständig fühlen. Insbesondere Jugendliche mit persönlichen Schwächen entscheiden sich bewusst für soziale Netzwerke, aus Angst nicht allein und isoliert zu sein. Unerfüllte Bedürfnisse sollen in der virtuellen Welt befriedigt werden.

Wohlbefinden steigern oder Gefahren aussetzen?

Bereits im Jahre 2012 untersuchte eine amerikanische Studie psychologische Auswirkungen von sozialen Netzwerken. Forscher der American Academy of Pediatrics beschrieben daraufhin die sogenannte "Facebook-Depression"- demzufolge zeigen Jugendliche, die viel Zeit in sozialen Netzwerken verbringen, Symptome einer Depression. Grunde hierfür liegen vor allem in Attributionsfehlern: Jeder Mensch neigt dazu, den Charakter einer Person aufgrund seines Verhaltens zu erklären. Ein Facebook-Freund veröffentlicht ein Foto vom Urlaub - die menschliche Wahrnehmung interpretiert automatisch: Dieser Mensch muss glücklich sein. Das Leben der Facebook-Freunde wird als glücklicher eingeschätzt. Oft ist es aber ein Trugschluss, da wir uns in sozialen Netzwerken gern vorteilhaft zeigen.

Das die Nutzung von sozialen Netzwerken nicht immer zu depressiven Symptomen führt, fand man mit Hilfe einer Studie der Michigan State University heraus: Das so genannte "Networking" hat eine Wechselwirkung auf den Alltag der Menschen - soziales Einbringen und Engagieren macht sogar glücklich. Insbesondere Jugendliche nutzen Social Media, um den Kontakt zu ihren Freunden zu halten. Nicht soziale Isolation, sondern besonders gute soziale Integration sind die Folge der verstärkten Internetnutzung.

Kritik an Social-Media Studien

Doch was ist dran an Social-Media Studien? Besonders der Unterschied zwischen Wechselseitigkeit und Ursächlichkeit wird hier häufig verwechselt. Verändern sich zwei Beobachtungen auf ähnliche Weise, bedeutet das noch längst keine gleiche Ursache. Führt die intensive Nutzung von sozialen Netzwerken zu Depressionen, kann die Ursache auch eine Internet-Abhängigkeit sein. Sollten die Forscher doch viel mehr im tatsächlichen sozialen Umfeld der Jugendlichen nach Ursachen suchen.
Während vor wenigen Jahren Facebook als das wichtigste soziale Netzwerk galt, werden mittlerweile die Dienste wie WhatsApp, Instagram und Twitter in den Vordergrund gestellt. Der Wunsch nach Bestätigung durch andere Nutzer und die ständige Jagd nach "Likes" sind in allen Portalen vertreten. Diese Verständigung mittels medialer Codes, lassen sich auf die reale Welt nicht anwenden und übertragen.  Sie schaden dem Selbstbewusstsein junger Erwachsener sogar in einigen Fällen.
Bei sozialen Netzwerken ist es somit generell so, dass der Chance zur Steigerung der Lebensqualität entsprechende Risiken gegenüberstehen. Insbesondere durch umsichtiges Verhalten und ein gewisses Maß an Internetkompetenz können Jugendliche diesen Risiken ausweichen. Psychologisch ist es somit sinnvoller, die wahren Ursachen zu suchen, die zu einem selbst schädigenden Umgang mit dem Internet führen.  
Schaut man sich bisherige Social-Media Studien an, so fällt auf, dass es einigen dieser Untersuchungen an Repräsentativität mangelt. Die gewählten Stichproben, sowie das Untersuchungsdesign sind nicht optimal gewählt. Natürlich lässt sich ein Zusammenhang zwischen sozialen Netzwerkportalen und dem Auftreten psychischer Probleme nicht einfach erklären, er ist komplex und es gilt, diese Beziehung weiter zu untersuchen.

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Monatsthema Juli 2015: Cybermobbing als Straftatbestand - Ein Modell für Deutschland?

"Brillenschlange", "Streber", "Schleimer", "Besserwisser" - Mobbing existiert schon seit Jahren auf dem harten Pflaster von Schulhöfen. Im digitalen Zeitalter hat dieses Phänomen weitaus größere Ausmaße angenommen und außerdem Zugang zu den Kinderzimmern gefunden. Der Umgang mit Cybermobbing unterschiedet sich allerdings von Land zu Land. Österreich erwägt nun eine Gesetzesänderung, um einen größeren strafrechtlichen Schutz der Opfer zu gewährleisten.

Pro Juventute - Stopp Cyber-Mobbing Kampagne
Pro Juventute - Stopp Cyber-Mobbing Kampagne © Pro Juventute_05

Was ist Cybermobbing?

Cybermobbing ist eine Sonderform des "klassischen" Mobbings. Dabei werden Instant Messenger, Soziale Netzwerke, Blogs, Foren, Webseiten aber auch Mobiltelefone zur Plattform von Beleidigungen, Bloßstellungen und Bedrohungen. Durch die weite Verbreitung des Internets machen die Attacken auch keinen Halt vor den eigenen vier Wänden. Die Opfer sind somit rund um die Uhr mit dem Hass der Täter konfrontiert. Zudem multiplizieren sich die Inhalte im Netz in einer rasanten Geschwindigkeit und sind somit schwer zu kontrollieren. Durch die Anonymität des Internets ist außerdem die Hemmschwelle für die Täter wesentlich geringer als im "echten" Leben. Diese Merkmale machen Cybermobbing zu einem großen Problem, das mehr und mehr auch strafrechtliche Beachtung findet bzw. finden sollte.

Strafrechtliche Bewertung von Cybermobbing

Cybermobbing ist in Deutschland kein eigener Straftatbestand. Jedoch können für die Tat folgende Gesetze greifen:

§ 131 StGB - Gewaltdarstellung

§ 185 StGB - Beleidigung

§ 186 StGB - Üble Nachrede

§ 187 StGB - Verleumdung

§ 201 StGB - Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes

§ 201a StGB - Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen

§ 238 StGB - Nachstellung

§ 240, 241 StGB - Nötigung & Bedrohung


Art. 1(1) iVm. Art. 2(1) GG - Verletzung des Allgemeinen Persönlichkeitsrechts

§ 12 BGB - Recht am eigenen Namen

§ 22 KunstUrhG - Recht am eigenen Bild


Man ist also nicht machtlos im Kampf gegen Cybermobbing. Doch ist diese Lösung der ideale Weg oder wäre der Umgang mit Cybermobbing in Ländern wie zum Beispiel Österreich ein besseres Modell für Deutschland?

Dort wird zukünftig der neue Straftatbestand "Fortgesetzte Belästigung im Wege einer Telekommunikation oder eines Computersystems" , sprich Cybermobbing, eingeführt. In § 120a des österreichischen Strafgesetzbuchs heißt es dann:

„Wer im Wege einer Telekommunikation oder unter Verwendung eines Computersystems in einer Weise, die geeignet ist, eine Person in ihrer Lebensführung unzumutbar zu beeinträchtigen, eine längere Zeit hindurch fortgesetzt

1. eine Person an der Ehre verletzt oder

2. Tatsachen oder Bildaufnahmen des höchstpersönlichen Lebensbereiches einer Person ohne deren Zustimmung bekanntgibt oder veröffentlicht,

ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 720 Tagessätzen zu bestrafen.

Hat die Tat den Selbstmord oder den Versuch des Selbstmordes der verletzten Person zu Folge, so ist der Täter mit Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren zu bestrafen.“

Der neue Gesetzesentwurf wird mit den Ausmaßen erklärt, die Cybermobbing angenommen hat. Können sich Mobbingopfer dem Ort des Geschehens (Schule, Arbeitsplatz etc.) durch einen Wechseln oder Umzug entziehen, ist dies beim Cybermobbing nicht möglich.

Auch in Deutschland nimmt die Zahl der Cybermobbingopfer Jahr für Jahr zu. Nach Angaben der JIM-Studie 2014 stieg die Zahl der Jugendlichen im Alter von 12-19 Jahren, in deren Bekanntenkreis Fälle von Cybermobbing auftraten im Jahr 2014 um 6 %. Die Zahl der selbst betroffenen Jugendlichen stieg sogar um 10 %. Die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen.

Wieso existiert trotz dieser Zahlen in Deutschland kein eigener "Cybermobbing-Paragraph"? Darüber lässt sich nur spekulieren. Fakt ist, dass viele Tatmerkmale von Cybermobbing durch die oben genannten Gesetze strafbar sind. Fraglich ist, ob das ausreicht.

Amanda Todd, Megan Meier, Tim Ribberink -  das sind nur einige Namen von jungen Menschen, die sich nach Cybermobbing-Attacken das Leben nahmen. Geht man von der deutschen Gesetzeslage aus, kann kein Täter wegen des Selbstmords eines Opfers zur Rechenschaft gezogen werden, sondern nur aufgrund eines anderen Straftatbestandes, z.B. Beleidigung. Ist das jedoch Strafe genug, wenn sich ein Teenager umbringt? Der österreichische Gesetzesentwurf ist auf die aktuelle Entwicklung von Cybermobbing zugeschnitten, welches in vielen Fällen leider auch zum Selbstmord des Opfers führt. In diesem Fall kann der Täter mit bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafte belangt werden. Wenig für ein Menschenleben, doch allemal besser, als diesen Aspekt im Gesetz völlig außer Acht zu lassen.


Weitere Informationen zum Thema:

Österreichischer Strafrechtsänderungsgesetz 2015 – Cybermobbing

Einführung einer neuen Strafbestimmung „Cybermobbing“ in Österreich. Empfehlung der Arbeitsgruppe (PDF). S. 45


www.klicksafe.de

www.cybermobbing-hilfe.de

www.schau-hin.info

www.bündnis-gegen-cybermobbing.de


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Monatsthema Juni 2015: Zweite miniKIM-Studie veröffentlicht

Mittlerweile sind Medien auch aus dem Alltag der Vorschüler nicht mehr wegzudenken. Welche Medien und wie diese von Kleinkindern genutzt werden, ist eine spannende Frage, die der Medienpädagogische Forschungsbund Südwest in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk (SWR), bereits zum zweiten Mal nachgegangen ist. Wie in der letzten Studie 2012, stand die Mediennutzung von Zwei- bis Fünfjährigen im Fokus der Forscher. Insgesamt wurden 623 Haupterzieher stellvertretend für Ihre Kinder zum Thema Mediennutzung und -konsum befragt.

Die wichtigsten Ergebnisse der miniKIM-Studie 2014.

Die Zwei- bis Fünfjährigen können zu Hause auf ein breites Medienangebot zurückgreifen. Nahezu in allen Haushalten gibt es mindestens einen Fernseher, Handy/Smartphone, Laptop/Computer, Internetzugang sowie ein Radio. Im Vergleich zur Ersterhebung der miniKIM-Studie 2012 nahm die Anzahl von Smartphones und Tablet-PCs deutlich zu. Im Vergleich zur letzten Studie hat sich aber die Medienausstattung im Kinderzimmer kaum verändert. Kassettenrekorder, CD-Player und Radio sind hier am häufigsten vertreten.

Bei der Mediennutzungsdauer steht der Fernseher mit durchschnittlich 43 Minuten pro Tag an erster Stelle, gefolgt von (Bilder-)buch mit 26 und Radio mit 18 Minuten pro Tag. Während das Buch für Jüngere als Leitmedium fungiert, gewinnt das Fernsehen ab dem Alter von 4 Jahren immer mehr an Bedeutung. Wenn es um gemeinsame Mediennutzung von Eltern und Kindern geht, spielt das Buch die größte Rolle. Schon früh werden gemeinsam oder auch allein Bilderbücher angeschaut.

Während Computerspiele bei Zwei- bis Fünfjährigen so gut wie keine Rolle spielen, zählen schon ein Viertel der Vier- bis Fünfjährigen zu den Computerspielern. Vorschüler sitzen allerdings insgesamt noch sehr selten an tragbaren oder festen Spielkonsolen. Zur Computer- und Internetnutzung von Zwei- bis Fünfjährigen haben viele Eltern eine kritische Haltung. So sind knapp 90 Prozent der Haupterzieher ganz oder überwiegend der Meinung, dass das Internet gefährlich für Ihre Kinder sei. Deshalb sagen drei Viertel der Eltern, dass sie ihrem Kind die Internetnutzung nur mit einem speziellen Filterprogramm erlauben würden. Die Internetnutzung ohne Aufsicht erlauben nur 13 Prozent der Haupterzieher.

Die miniKIM nahm 2014 das Thema Tablet-PC genauer unter die Lupe. Wenn ein Tablet-PC im Haushalt vorhanden ist, benutzt ihn fast jedes fünfte Kind allein. Die gemeinsame Nutzung mir den Eltern findet bei einem Drittel statt. Dabei wird das Tablet hauptsächlich für das Spielen benutzt, jedoch auch zum anschauen von Fotos ,Videos oder zum Malen. Unabhängig davon ist die Hälfte aller Befragten der Meinung, dass ein Tablet-PC nichts für Kinder sei.

Medienerziehung bei den Eltern bleibt immer noch ein Randthema.

Die Medienerziehung rangiert bei den Interessenfeldern der Haupterzieher nach wie vor im Mittelfeld, auf Platz neun. Am wichtigsten sind den Eltern immer noch die Themen Erziehung, Erziehungsfragen sowie Liebe und Partnerschaft. Bemerkenswert ist, dass jeder vierte Haupterzieher seinen Wissensstand zum Thema „Kinder und Medien“ mit „weniger gut“ bewertet. Das Bildungsmilieu der Eltern spielt hier eine wichtige Rolle: Je niedriger, desto schlechter ist das gefühlte Wissen. Hier hat sich die Kluft im Vergleich zur miniKIM 2012 sogar etwas vergrößert. Die rasante mediale Entwicklung macht es den einen oder anderen Elternteil schwer den Durchblick zu behalten.

Unabhängig davon wünscht sich jeder Zweite gerne mehr Informationen zum Thema Medienerziehung. Den Wissensaustausch zwischen den Eltern schätzen die Befragten als besonders wertvoll ein. Gern werden jedoch auch die Erzieher im Kindergarten oder Krippe bei medienpädagogischen Fragen herangezogen. Dies zeigt, dass die Medienerziehung bereits im Kindergartenalter einen hohen Stellenwert besitzt. Daher sollten Erzieher mit medienpädagogischen Qualifikationen ausgestattet werden, um die Kinder langsam an die Funktions- und Wirkungsweise der verschiedenen Medien heran zu führen und Eltern bei Fragen beratend zur Seite stehen zu können. Umso wichtiger ist es, dass die Eltern selbst mehr Zeit in die Medienerziehung investieren und mehr Interesse für das Thema zeigen. Dies geschieht schon, wenn Eltern das Gesehen oder Gehörte gemeinsam mit den Kindern spielerisch auswerten. Dadurch lassen sich Kinder nicht nur von den Medien „berieseln“, sondern müssen die Inhalte kritisch hinterfragen. Nebenbei eignen sie sich so noch Wissen an und lernen wichtige Umgangsformen und Verhaltensregeln. Generell sei es wünschenswert, die Kinder mit den Medien nicht allein zu lassen. Vor allem beim Fernsehen oder beim Surfen im Internet müssen sie begleitet und unterstützt werden. Dadurch verringert sich die Gefahr des Kontakts mit bedenklichen und für sie ungeeigneten Inhalten.

"Mediennutzung in der frühen Kindheit" ist das Thema der diesjährigen Fachtagung des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest. Neben der Vorstellung der miniKIM 2014, werden am 14. Juli in Stuttgart zahlreiche praktische Beispiele für medienpädagogische Arbeit mit Kindern vorgestellt.

Pressemitteilung und Anmeldeformular für die Tagung

Pressemitteilung und Download der gesamten miniKIM-Studie 2014

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Monatsthema April 2015: Fame oder Lame?


Monatsthema Februar 2015: Die Erweiterung der Realität

Informationen auf eine völlig neue Art und Weise genau dort präsentieren, wo sie auch benötigt werden: Die Augmented Reality Technologie gewinnt in den letzten Jahren stetig an Bedeutung.

Doch was ist Augmented Reality (AR) eigentlich? Welche Voraussetzungen benötigt man dafür und wo liegen die Einsatzmöglichkeiten?


Das Verschmelzen von physischer und virtueller Realität - Augmented Reality - wird auch als erweiterte Realität bezeichnet und ist eine Kombination aus wahrgenommener und vom Computer erzeugter Wirklichkeit. Hierbei geht es in erster Linie darum, dem Nutzer zusätzlich zu realen Sinneseindrücken weitere Informationen zu bieten. Diese sollen einen unmittelbaren Bezug zur persönlichen Wahrnehmung ermöglichen. Der Vorteil hierbei: Nutzer werden noch stärker eingebunden und eine stärkere Interaktion mit der Umgebung wird ermöglicht.

Wie funktioniert Augmented Reality?

Ein reales Objekt wird mittels Kamera im Smartphone oder Tablet erfasst und über einen so genannten "Tracker" erkannt. Mit Hilfe dieses Trackers werden dann die computergenerierten Zusatzobjekte auf dem Bildschirm eingeblendet. Die Kamera im Smartphone ist somit Sichtfenster und Schnittstelle zugleich. Informationen werden in das Videobild eingefügt bzw. überlagern es. Die Vermittlung der Informationen erfolgt in erster Linie über klassischer Medien- und Darstellungsformen: Videofilme, Audiobeiträge, Fotos oder Texte können verwendet werden.

Zur Erkennung der Umgebung und Verknüpfung mit der entsprechenden Animation wird jedoch zunächst eine Tracking-Software benötigt. Angeboten wird die Software beispielsweise in Form von so genannten AR-Browsern wie junaio. Dieser ist der wohl beliebteste Augmented Reality Browser vom Entwickler metaio GmbH, dort erforscht und entwickelt man den Bereich schon seit 1999.

Im Laufe der Entwicklung von AR sind verschiedene Browser entwickelt worden. Layar, junaio und aurasma gehören hierbei zu den bekanntesten Browsern und stehen meist kostenlos für Nutzer zur Verfügung.

Vorwiegend wird bei der Nutzung das Betriebssystem iOS und Android unterstützt. Windows Mobile, Symbian, Blackberry und andere Systeme können hingegen nur teilweise bedient werden und weisen noch zahlreiche Einschränkungen auf.

Formen: Geo- und markerbasierte Objekterkennung

Bei der Erkennung von Objekten unterscheidet man zwischen zwei verschiedenen Formen. Bestandteil ist hierbei ein sogenannter "Marker". Trackingmotive werden im Vorfeld definiert und über Marker- oder Bilderkennung vom AR Browser erkannt. Diese fixen Punkte lösen eine Aktion aus, beispielsweise wird mit Hilfe der Marker das virtuelle Objekt im Sichtfeld des Nutzers eingefügt. Dies muss besonders genau erfolgen, um eine realitätsnahe Illusion zu erschaffen. Wichtig hierbei ist, dass vorgegebene Motive Kontraste und scharfe Kanten haben, dies erleichtert das Tracking. Außerdem sollte beim Betrachten des Bildes auf Schatten oder zu starke Lichteinstrahlung geachtet werden. Wird der Marker erkannt, entsteht dann eine 3D- Szene. Diese wird vom ausgewählten AR-Browser aufgebaut und ausgerichtet. Das Objekt kann dann bewegt, gedreht und aus verschiedenen Perspektiven auf dem Bildschirm betrachtet werden.

Anders hingegen bei der geobasierenden Objekterkennung. Mittels GPS-Daten werden hier Inhalte an bestimmten Orten angezeigt. Aber auch eine Kombination aus beiden Formen ist mittlerweile möglich. Probleme treten dabei dann allerdings im Innenbereich oder geschlossenen Räumen auf.

Erste Einsatzmöglichkeiten in verschiedenen Bereichen

Bislang ist die Verwendung von AR für Unternehmen noch kein bedeutsames Thema. Allerdings kommen erste Anwendungen bei immer mehr Printmedien zum Einsatz. Dabei werden den Lesern zusätzliche Informationen, in Form von Fotos, Videos und Links zur gedruckten Ausgabe geliefert.

Ebenso wird in den letzten Jahren deutlich, dass AR ein neues Geschäftsfeld für Werbetreibende darstellt. Besonders hilfreich hierbei: reale und virtuelle Zusatzinformationen verschmelzen auf dem Display und führen zu einer Interaktion mit dem Kunden.

Im Bereich des Marketings gilt Augmented Reality als besonders effektiv und soll in Zukunft als nachhaltiges Marketinginstrument dienen. Erste AR-Anwendungen in diesem Bereich lieferte IKEA. Das schwedische Möbeleinrichtungshaus zauberte aus dem gedruckten Ikea-Katalog Sessel, Sofas oder Tische in die eigene Wohnung. Hierzu muss der Benutzer lediglich den Katalog flach auf den Fußboden legen und sein Smartphone darauf richten. Das ausgewählte Möbelstück erscheint dann an jener Stelle, wo der Katalog liegt.

Auch im Bereich der Industrie gewinnt Augmented Reality immer mehr an Bedeutung. Ziel ist es, Mitarbeiter mit Hilfe von Datenbanken und animierter Reparaturanleitungen zusätzlich zu unterstützen. Arbeitsprozesse sollen somit in Zukunft vereinfacht und effizienter werden.

Ein weiterer bedeutsamer Einsatzbereich liegt im Bereich des Edutainment. Digitale Erlebniswelten werden mit Hilfe von Augmented Reality Elementen erschaffen und ein höherer Lerneffekt erzielt. Hier wird Wissen anschaulich und auf innovative Art und Weise vermittelt.

Ebenso in der medienpädagogischen Arbeit bieten sich vielfältige Möglichkeiten für den Einsatz von AR. Besonderer Beliebtheit erweist sich dabei die Entwicklung von so genannten Handyrallyes. Dabei lässt sich besonders der kreative Umgang mit Medien fördern. Bei Rallyes durch Städte und Gelände können an verschiedenen Stationen 3D-Objekte eingebunden sowie ortsbezogene Funktionen, wie GPS-Navigation oder QR-Codes genutzt werden.

Grenzen der AR-Technologie

Trotz der zahlreichen und stetigen Weiterentwicklungen steht die AR-Technologie immer noch am Anfang. Viele Geräte werden bei der Benutzung von AR an ihre Grenzen gebracht. Jedoch wird sich dies mit dem Aufkommen von leistungsstarken mobilen Endgeräten verbessern.
Es gibt dennoch immer mehr praxistaugliche Anwendungen und Augmented Reality dient schon jetzt als wirkungsvolles Instrument für Kundengewinnung aufgrund der Schaffung von Interaktivität und dem Erleben von Produkten. Allerdings wird Augmented Reality immer noch als eine Technologie der Zukunft angesehen und gilt als eine völlig neue Form der Mensch-Technik-Interaktion. Immer mehr Unternehmen haben die Vorteile von AR erkannt, nutzen diese aber immer noch zögerlich.

Die Kombination von Realem und Virtuellem ist ohne Zweifel ein emotionales Erlebnis und fördert die Aufmerksamkeit und aktive Teilnahme des Nutzers. Auch Experten sind sich sicher: In fünf bis zehn Jahren wird Augmented Reality in vielen Bereichen des Lebens Einsatz finden.

Surfing the Streets - Augmented Reality Handyrallye

Artikel von Michael Lange zum Einsatz von Augmented Reality in der Medienarbeit

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Monatsthema Dezember 2014: Mobiler, smarter, digitaler. Die JIM-Studie 2014

Foto: pixabay.comImmer im Spätherbst blicken die Medienpädagogen der Republik gespannt in Richtung Südwest: Der MPFS in Stuttgart veröffentlich seine „JIM“-Studie. Die Trends in diesem Jahr kann man in drei Worten zusammenfassen: Mobiler, smarter, digitaler. Denn die Tablets und Smartphones haben den Markt der Altersgruppe endgültig erobert, 87% nutzen die mobilen Geräte täglich. Laptops oder Stand-PCs spielen in der relevanten Gruppe zwischen 12 und 19 Jahren nur noch eine untergeordnete Rolle.

Zwar ist die Mobilisierung der Medien ein genereller Trend quer durch alle Altersgruppen– doch bei Jugendlichen schlägt er besonders heftig zu Buche. Medienpädagogen führen dies vor allem auf das alterstypische Bedürfnis nach intensivem Austausch und Anerkennung zurück. 88% besitzen ein verhältnismäßig modernes Smartphone , welches im Schnitt  16 Monate alt ist.

Prepaid-Lösungen sind dabei deutlich im Rückzug: Die meisten Jugendlichen (75%) surfen und telefonieren mit festen Mobilfunkverträgen und entsprechenden Flatrates; bereits im Alterssegment zwischen 12 und 13 Jahren beträgt das Verhältnis zwischen Vertrag und Prepaid ca. 50:50.

Whatsapp bleibt der Liebling, Facebook baut weiter ab

Der Abwärtstrend von Facebook indes setzt sich weiter fort: Der „blaue Riese“ ist mittlerweile das soziale Netzwerk der „Alten“. Waren es im Vorjahr noch 54%, wird es heute nur noch von 34% der 12- bis 19-Jährigen genutzt. Für junge Leute scheint das Portal angestaubt und nicht mehr attraktiv: Viel mehr teilen die Jugendlichen ihr digitales Leben in Portalen wie Instagram oder Instant-Messaging-Diensten wie Whatsapp. Diesen geben die meisten Jugendlichen als wichtigste Funktion ihrer Smartphones an.

Die klassischen Medien stecken zurück, bleiben aber vertrauenswürdig

Das klassische Fernsehen wird täglich nur noch von 57% konsumiert. Wichtiger ist die Video-Plattform Youtube:  Diese wird von 81% (Jungen) und 68% (Mädchen) täglich oder mehrmals wöchentlich genutzt.

Überraschend ist, dass allem digitalen Wandel zum Trotz den konservativen Medien am meisten Vertrauen entgegengebracht wird. Hier werden die Tageszeitungen zu 42% als vertrauenswürdigstes Medium eingeschätzt, auch wenn diese nur noch von 32% in der befragten Altersgruppe gelesen wird. Das Internet wird mit 14% als am wenigsten verlässliche Quelle eingestuft und wird von 94% täglich genutzt.

Gute Nachrichten sind für das Medium Radio zu verkünden: In Sachen Verlässlichkeit legt es ganze sieben Prozentpunkte zu, bei der Nutzungshäufigkeit ist kein wesentlicher Einbruch unter den Jugendlichen zu verzeichnen.

Pressemitteilung und Download der JIM-Studie 2014

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Monatsthema August 2014:

Das Radio und seine Hörer: Die neuesten Zahlen

Für die deutschen Radiosender schlug wieder die Stunde der Wahrheit. Mitte Juli wurden die neuesten Hörerzahlen der „Media Analyse“ veröffentlicht. Wer hat Hörer gewonnen, wer musste Federn lassen? In den Funkhäusern landauf und landab, von Flensburg bis zum Bodensee, von Aachen bis in die Lausitz wurden die neuen Zahlen bereits mit Spannung erwartet.


Reichweiten stabil: ARD-Sender im Plus, Private stagnieren


Grund zur Sorge gibt es für die Branche nicht, wie ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt. Die Radionutzung in Deutschland ist trotz kleiner Dellen im Großen und Ganzen stabil. Knapp 80 Prozent der Deutschen hören nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Media Analyse e.V. täglich Radio – im Durchschnitt drei Stunden und 14 Minuten lang. Die öffentlich-rechtlichen Wellen konnten bei den Tagesreichweiten insgesamt erneut ein kleines Plus rausholen (+0,1 Prozent), während die Privaten weiter stagnierten (-0,1 Prozent). Alles in allem ist der Radiomarkt aber recht stabil.


Sachsen: ENERGY im Sinkflug, PSR im Aufwind, MDR 1 in ungeahnten Höhen


In Sachsen herrscht unterdessen einige Bewegung. Der deutlichste Verlierer ist dabei erneut ENERGY. Nachdem die Jugendwelle bereits zur letzten MA im März knapp ein Drittel ihrer Hörer verloren hatte, kam nun noch einmal ein Minus von 19 Prozent dazu. Nur 47.000 Hörer pro Durchschnittsstunde bleiben dem Programm, im März waren es noch 58.000 und vor einem Jahr sogar noch 86.000 Hörer. Klar gewinnen konnte hingegen der private Platzhirsch Radio PSR, der jetzt auf 192.000 Hörer kommt (+ 12,3 Prozent). Damit konnte der Sender Verluste aus der Vergangenheit zumindest teilweise wieder ausgleichen. Bei der privaten Lokalfunkkette SLP, zu der unter anderem Radio Dresden, Radio Leipzig, Radio Chemnitz und Radio Zwickau gehören, geht der Aufwärtstrend stetig weiter. Die Sendergruppe, die gemeinsam mit Vogtlandradio in einem Paket ausgewiesen wird, kommt aktuell auf 157.000 Hörer (+10,6 Prozent). R.SA verliert nach einem Höhenflug wieder leicht (143.000 Hörer), Hitradio RTL gewinnt leicht dazu (125.000 Hörer), JUMP fährt in Sachsen leichte Verluste ein (136.000 Hörer). Absolut unangefochten an der Spitze steht aber nach wie vor die öffentlich-rechtliche Heimatwelle MDR 1 Radio Sachsen, die sich nochmals leicht steigert auf sensationelle 540.000 Hörer pro Durchschnittsstunde. Damit hat der Sender mehr Hörer als ENERGY, PSR, RTL und R.SA zusammen.


Wort kommt wieder an: MDR Info legt stark zu


Die werbefreien Programme werden traditionell nicht in der Hauptwährung „Hörer pro Durchschnittsstunde“ ausgewiesen. Um bei diesen Wellen Trends zu erkennen, muss man die Tagesreichtweite (ehemals „Hörer gestern“) zur Rate ziehen. Hier zeigt sich MDR Info als der große Gewinner. Im gesamten Sendegebiet Mitteldeutschland kommt der Sender auf 457.000 Hörer pro Tag, was einem satten Zuwachs von 17,5 Prozent im Vergleich zur letzten MA im März entspricht. Federn lassen musste hingegen das Kulturprogramm MDR Figaro (298.000 Hörer Tagesreichweite, -7,5 Prozent).


Die alte Diskussion: Wie verlässlich sind die Zahlen?


Radiobranche und Werbewirtschaft akzeptieren die MA-Zahlen als einheitliche Währung. Es ist allerdings kein Geheimnis, dass die Aussagekraft sowohl von Medienwissenschaftlern als auch von Journalisten, Marktforschern und Bloggern auch immer wieder angezweifelt wird. Hauptkritikpunkt: Die sogenannte Day-After-Recall-Befragung basiert einseitig auf der Erinnerungsleistung der Befragten. Wie verlässlich aber kann diese Erinnerung sein, wenn in Viertelstundenschritten der Radiokonsum für den gestrigen Tag abgefragt wird? Radiohören ist häufig keine bewusste und zielgerichtete Tätigkeit, Umschaltvorgänge erfolgen in vielen Fällen unreflektiert oder sogar unbewusst, zudem beeinflussen die Sender durch Gewinnaktionen im Befragungszeitraum, permanente Nennung des Sendernamen im Programm oder umfangreiche Plakatierung das Antwortverhalten. Wird also am Ende wirklich ermittelt, welcher Sender tatsächlich gehört wurde, oder nur welcher Sendername am besten in der Erinnerung der Befragten abgespeichert ist?


Mögliche Alternativen: Wie könnte die MA der Zukunft aussehen?


Beim alljährlichen MA-Bashing denken allerdings nur wenige konstruktiv darüber nach, wie eine alternative MA der Zukunft aussehen könnte. Eine Möglichkeit wären Tagebuch-Erhebungen. Hier füllen die Probanden eigenständig ein vorgefertigtes Tagebuch aus, in dem sie ihren Radiokonsum in Tabellen protokollieren. Damit wird der Faktor Erinnerung ausgeschaltet – aber nur, wenn die Tagebücher auch wirklich zeitnah ausgefüllt werden. Das wiederum lässt sich nicht ausreichend kontrollieren, ein zentraler Schwachpunkt. Tagebücher kommen in vielen europäischen Ländern zum Einsatz, haben sich in Deutschland aber nicht durchgesetzt. Eine zweite theoretisch denkbare Methode wäre der sogenannte Coincidental Check. Dabei werden die Testpersonen angerufen und gefragt, was sie just in diesem Moment hören. Auch hier wird der Unsicherheitsfaktor Erinnerung erfolgreich ausgeschaltet. Das Knock-Out-Argument gegen diese Methode ist allerdings, dass sie sich zur Prime Time des Radios in den Morgenstunden nicht durchführen lässt. Wer gibt schon morgens halb 7 am Telefon bereitwillig Auskunft, welchen Radiosender er gerade hört? Als zukunftsweisend galten lange Zeit sogenannte Radiometersysteme, beispielsweise die „Radiouhr“ aus der Schweiz. Hier wird statt auf Befragung auf Messung gesetzt – ein Paradigmenwechsel. Die Testpersonen führen ein Gerät mit sich (zum Beispiel als Software in einer Uhr, im Handy oder als Pager), das in regelmäßigen Abständen die Umweltgeräusche kurz aufzeichnet. Die Kurzmitschnitte werden unter Beachtung des Datenschutzes in komprimierte digitale Samples zerlegt. Später werden sie mit Mitschnitten der empfangbaren Sender abgeglichen oder es werden spezielle Erkennungssignale herausgefiltert, die jeder Sender individuell ausstrahlt mittels entsprechender Technik. Was sich nach genauer Messung des Radiokonsums anhört, hat in der Praxis allerdings auch seine Schwächen: Handeln die Testpersonen unter Beobachtung genau so wie sie es ohne Beobachtung tun würden? Und heißt das Audiosignal im Umfeld der Testperson, dass die Person den Sender wirklich gehört hat? Für Radiosender wären plötzlich  zum Beispiel Verträge zur Beschallung von Supermärkten lukrativ, weil jeder, der seinen Einkaufswagen durch den Markt schiebt, plötzlich ein Hörer wäre. Ist diese Definition von Radiohören letztlich besser als die Erinnerung an einen Sender?


Mit der neu geschaffenen „ma IP audio“, die anhand von Logfiles die Nutzung von Internetradios erfasst, versucht sich die ag.ma nun auch im Messen statt Befragen. Die Schwachstelle hier allerdings: In den Logfiles finden sich naturgemäß nur technische Kontakte, aber keine soziodemografischen Daten zu den Hörern. Auch hier wird es am Ende wohl ganz ohne Befragung nicht gehen. So bleibt am Ende eine Erkenntnis: Trotz aller Kritik an der Recallbefragung wird die Radioreichweitenforschung wohl auf absehbare Zeit nicht ohne sie auskommen.


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Monatsthema Juli 2014:

agma veröffentlicht jetzt auch Hörerzahlen für Webradios

Was von der Radio- und Werbebranche schon lange gefordert wurde, ist nun Realität: Seit diesem Jahr ermittelt die Arbeitsgemeinschaft Media Analyse (agma) erstmals auch Reichweiten für Internetradios. Ergänzend zu den zweimal im Jahr veröffentlichten Hörerzahlen der UKW-Sender in der „ma Radio“ erscheinen nun auch die Reichweiten ausgewählter Webradio-Channels in der neuen „ma IP Audio“ – und das nicht nur zweimal jährlich, sondern sogar quartalsweise. „Die ‚ma IP Audio’ ist die erste valide, von allen Marktpartnern akzeptierte Messung für die Planung und Buchung von Webradio-Angeboten“, so agma-Geschäftsführer Olaf Lassalle. „Sie schafft damit die Grundlage für die Akzeptanz des Internetradios im Werbemarkt“.

Die Art und Weise der Reichweitenermittlung für Internetradios in der neuen „ma IP Audio“ unterscheidet sich jedoch grundlegend von der Methodik bei der klassischen „ma Radio“. Während die Marktforscher beim guten alten UKW-Radio keinen Rückkanal zum Messen von Einschaltvorgängen haben und seit jeher auf Befragungen zum Radiokonsum ausweichen müssen, können bei Internetradios die Einschaltvorgänge präzise erfasst werden – und das wird natürlich auch ausgenutzt. Die agma erfasst von den bei ihr angemeldeten Internetradio-Angeboten, deren Betreiber auch einen entsprechenden Unkostenbeitrag bezahlen, Daten zur Anzahl der zusammenhängenden Nutzungsvorgänge (Sessions) und zur durchschnittlichen Dauer pro Session. Die logfile-basierte Auswertung soll die komplette Webradionutzung über alle Nutzungswege abbilden, egal ob stationäres oder mobiles Internet, egal ob WLAN-Radio, externe Player oder Apps.

Millionen Web-Nutzer für die UKW-Platzhirsche

Nach einem Testlauf im März ist Mitte Juni nun die „ma 2014 IP Audio II“ erschienen. Zentrales Ergebnis: Pro Monat werden die 26 Webradio-Publisher, die sich derzeit an der Erhebung beteiligen, mit ihren 165 Channels knapp 46 Millionen Mal genutzt. Eine durchschnittliche Webradio-Session dauert dabei rund eine Stunde und 18 Minuten. „Die Nutzungsdauer eines Channels via Internet ist damit beachtlich und zeigt, dass Radio auf jedem Empfangsweg – ob Web oder UKW – Tagesbegleiter der Menschen ist“, freut sich die agma in einer Pressemitteilung. Ein Großteil der ausgewiesenen Internetradios sind Web-Channels der bereits bekannten UKW-Platzhirsche, während die Web-Only-Angebote klar in der Minderheit sind. So heißen die großen Gewinner wenig überraschend „1Live“ (WDR), „Antenne Bayern“ oder „Hitradio FFH“ aus Hessen. Bei den Web-Only-Anbietern gibt es allerdings auch einen großen Player, der den UKW-Größen durchaus das Wasser reichen kann: Der Webradio-Verbund „RauteMusik“ kommt auf knapp 3,4 Millionen Sessions pro Durchschnittsmonat, das ist zum Beispiel im Vergleich zu „Antenne Bayern“ (4,8 Millionen Sessions) durchaus schon sehr stark und überrundet sogar den hessischen Branchenprimus „Hitradio FFH“, der knapp 2,9 Millionen Sessions verzeichnet.

Ein Pionier aus Sachsen mischt mit

Bei den reinen Web-Only-Angeboten ist auch ein Internetradio-Pionier aus Sachsen gelistet: Die beiden Channels des jungen Kulturradios „detektor.fm“ aus Leipzig kommen gemeinsam auf durchschnittlich rund 65.500 Sessions pro Monat. Damit können sie sich zwar nicht mit den Webchannels der UKW-Größen messen, machen aber dennoch deutschlandweit auf sich aufmerksam. „Wenn man nur auf die Reichweite schaut, werden natürlich die Platzhirsche gewinnen“, sagt detektor.fm-Geschäftsführer Christian Bollert. „Wir werden auch künftig nicht mit Antenne Bayern oder 1Live um Hörer wetteifern. Für uns ist die ‚MA IP Audio’ jedoch eine Chance, weil wir damit beweisen, dass wir mit einem Qualitätsprogramm und einem kleinen Budget heute bereits im Netz mit etablierten UKW-Marken mithalten.“ Zudem, so die Erfahrung des Webradiomachers aus Leipzig, schauen Werbekunden nicht nur auf die technisch gemessene Quote: „Online-Werbung ist im Jahr 2014 nicht ausschließlich auf Reichweite ausgerichtet, häufig spielen auch Qualität und Zielgruppe eine entscheidende Rolle. Wenn es um Image-Werbung geht, ist detektor.fm ein spannender Kanal.“

Nun könnte man sich fragen, wozu es überhaupt eine „Webradio-MA“ braucht. Schließlich kann jeder Anbieter sehr einfach selbst seine Quoten feststellen und diese anhand von Logfiles den Werbekunden vorlegen. Christian Bollert von detektor.fm sieht dennoch einen klaren Mehrwert in den neuen Zahlen, da sie nach einem einheitlichen Standard ermittelt werden: „Wir haben unsere eigenen Stream-Daten und diese legen wir Werbekunden zusammen mit anderen Mediadaten (Webseite, Apps etc.) und jetzt auch der MA IP Audio vor. Unsere bisherigen Kunden verlangen nicht direkt nach einer einheitlichen Währung. Sicher gibt es aber Kunden, die bisher zögern, weil die Daten noch nicht einheitlich sind. Wir begrüßen daher diesen ersten Schritt hin zu einer vergleichbaren Messbarkeit.“ Weitere Schritte müssten nun aber folgen: „Natürlich fehlen noch viele Parameter. Gerade Faktoren wir regionale Verteilung oder Hörzeitpunkte können für Werbekunden sehr wichtig und spannend sein.“


Wie belastbar sind die Zahlen?

Im Vergleich zur oft kritisierten Recall-Befragung der „ma Radio“ wird bei der „ma IP Audio“ nicht einseitig auf die fehleranfällige Erinnerung der Nutzer vertraut, sondern es werden Nutzungsvorgänge technisch präzise gemessen. Was zunächst nach einem Quantensprung klingt, hat im Detail allerdings auch seine Tücken: Die Logfiles, die ausgewertet werden, liefern keinerlei soziodemografische Daten zu den Hörern mit. Wer genau hinter welchem Einschaltvorgang steckt, bleibt völlig unklar – ein deutlicher Nachteil gegenüber der Recall-Befragung, denn aufgrund der oft eng gefassten Zielgruppen spielen soziodemografische Daten wie Alter und Geschlecht der Hörer bei Webradio-Angeboten eine große Rolle. Deshalb haben die neuen Internetradio-Daten auch noch keinen Währungscharakter wie die Zahlen der klassischen Radioerhebung. Mittelfristig werde dies aber angestrebt, heißt es von der agma: Im kommenden Jahr sollen auch personenbezogene Zielgruppendaten hinzukommen. Wie sie ermittelt werden sollen, dazu hält man sich noch bedeckt. Selbst mit ergänzenden soziodemografischen Daten wird es aber schwierig, eine Vergleichbarkeit zwischen den Zahlen der „ma IP Audio“ und denen der klassischen „ma Radio“ zu schaffen, da sich nicht nur die Art und Weise der Erhebung der Hörerzahlen, sondern auch die Erhebungszeiträume und die ausgewiesenen Kennwerte sehr stark unterscheiden. Die „Hörer pro Durchschnittsstunde“ aus der „ma Radio“ und die „Sessions pro Durchschnittsmonat“ aus der „ma IP Audio“ lassen sich, auch wenn man sie rechnerisch anzugleichen versucht, nicht so ohne Weiteres vergleichen. Zudem stehen gerade einmal knapp 70.000 Befragte pro Halbjahr (!) in der Radio-MA mehr als 40 Millionen gemessenen Hörkontakten pro Monat (!) in der Webradio-MA gegenüber. Allein schon deshalb wird es mit der Vergleichbarkeit schwierig. Der agma schwebt langfristig eine „Konvergenzwährung“ vor, die klassisches Radio und digitale Online-Audio-Angebote in einer Datei für die Werbewirtschaft planbar machen soll. Wie dies genau geschehen soll, ist bisher nicht bekannt. Es wird jedenfalls nicht ganz einfach.

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Monatsthema Mai 2014

"Klassenzimmer der Zukunft" lässt Lehrer Erfahrungen mit neuer Technik sammeln

brad flickinger-flickingbrad.frlickr.comFoto: Brad Flickinger (flickingbrad-student_ipad_school-227-www.flickr.com)

Medienkompetenz und individuelles Lernen rücken verstärkt in den Unterrichtsfokus.

Ob Bluetooth im Klassenzimmer, digitale Schulbücher, Lern-Apps, Tablets oder gar 3-D-Drucker − dank des technischen Fortschritts kann der Schulunterricht immer vielfältiger gestaltet werden. Gleichzeitig müssen Lehrer bisherige Lern- und Lehrmethoden neu überdenken und entsprechende Konzepte entwickeln. Um sie dabei zu unterstützten, hat das Kultusministerium gemeinsam mit dem Institut für Weiterbildung an der TU Chemnitz das Pilotprojekt "Klassenzimmer der Zukunft" ins Leben gerufen. In diesem modern ausgestatteten Raum können Lehrer ab sofort Erfahrungen mit der neuen Technik sammeln und sich ausprobieren. Somit sollen sie in Zukunft neben der Medienkompetenzvermittlung den Schüler verstärkt individuell beim Lernprozess begleiten können.

"Den Schülern muss neue Technik angeboten werden. Das erfordert doch schon das spätere Berufsleben", bekräftigt Anne-Susann Schaaf, Abteilungsleiterin für Qualitätssicherung in der Sächsischen Bildungsagentur in Chemnitz (SBAC) den Grundgedanken des Klassenzimmers der Zukunft. Doch gehe sie und ihre Kollegen dabei noch einen Schritt weiter: So sei es beispielsweise denkbar, perspektivisch die Trennung von Klassenzimmern und Informatikräumen aufzuheben, erklärt SBAC-Referent und ehemaliger Lehrer, Matthias Keil. Des Weiteren benutzen bereits Lehrer mit ihren Schülern 3-D-Labore der TU Chemnitz, um die Gerätebedienung in Werkstätten zu simulieren. Auch die Bindung zu Partnerunternehmen solle weiter ausgebaut werden, um Fachkräfte in die Schule zu holen oder Praktikumsplätze anzubieten, so Thomas Kurth, Leiter des Medienpädagogischen Zentrums in Chemnitz.

Darüber hinaus kann, laut Pressesprecher Lutz Steinert, anhand des Einsatzes von digitalen Tafeln beispielsweise in der Physik oder Biologie die Theorie besser veranschaulicht werden. „Alles jedoch als Mittel zum Zweck und nicht um der Technik selbst willen.“ Denn letztendlich sollen die Jungen und Mädchen auch etwas lernen und nicht nur unterhalten werden. Und an dieser Stelle komme nach wie vor der Lehrer ins Spiel. Denn im Gegensatz zu manch anderen Visionen eines Klassenzimmers der Zukunft solle die Technik bei diesem Pilotprojekt weder den Lehrer noch den Unterricht ersetzen, sondern lediglich ergänzen. "Das A und O ist nach wie vor die Motivation", erklärt Thomas Kurth. Gelinge das nicht, sei die Technik auch nur Spaß und Spielerei. "Für so ein Klassenzimmer der Zukunft braucht man schließlich auch Schüler, die überhaupt etwas lernen wollen. Und genau diese Grundlage muss der Lehrer legen." Top ausgestattete Schulen müssen deswegen also nicht zwangsläufig effektiver sein, bekräftigt Matthias Keil.

Chancen und Risiken erlebbar machen

brad flickinger-flickingbrad.frlickr.comFoto: Brad Flickinger (flickingbrad-student_ipad_school-140-www.flickr.com)

Zumal die hiesige Idee des Klassenzimmers der Zukunft zeitnah nicht viel ändern werden kann. Denn ausschlaggebend für einen entsprechenden technischen Ausbau sei die Finanzlage der jeweiligen Kommunen, weist Anne-Susann Schaaf auf die aktuelle Situation hin. Es werde zwar bei allumfassenden Schulsanierungen die neue Technik berücksichtigt und entsprechende Leitungen o.ä. gelegt, "allerdings ist es ein enormer finanzieller Aufwand, diese Einrichtungen mit der neuesten Technik auch auszustatten. Erst recht, wenn parallel Turnhallen saniert oder Dächer repariert werden müssen", erklärt sie die prekäre Lage. Doch besitze beispielsweise das Berufsschulzentrum Chemnitz eine moderne technische Ausstattung, die ebenfalls von den Oberschulen aus der näheren Umgebung genutzt werden kann − eine breite Öffnung der Schulen in alle Richtungen, die neben den Neuen Medien auch eine Kooperation mit externen Partnern beinhaltet.

Mittels des Pilotprojektes können sich Lehrer mit den vielfältigen technischen Möglichkeiten auseinandersetzen, um dann entsprechende Aufklärungsarbeit zu leisten. "Dazu müssen sie sowohl die Chancen als auch die Risiken kennen, um diese Medienkompetenz an ihre Schüler weiterzugeben", fasst Matthias Keil zusammen. Um die Lehrer bei dieser Verantwortung zu unterstützen, werden darüber hinaus zahlreiche Fortbildungsmöglichkeiten angeboten − zum Beispiel in den Medienpädagogischen Zentren, Berufsschulzentren, im Sächsischen Bildungsinstitut oder in den SAEK. Dabei werden unter anderem Grundlagen gelegt zu Themen wie Hörspielproduktion, Videoproduktion, Cybermobbing oder Medieneinsatz im Unterricht. Entsprechende Angebote werden seitens der Sächsischen Bildungsagentur koordiniert.

Infos zu den Fortbildungen in den SAEK gibt es auch unter www.saek.de.

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Monatsthema März 2014

65 Jahre UKW - Frequenz

Das Radio wird so oft als altes Medium bezeichnet und ist doch erstaunlich jung geblieben. Nachdem im vergangen Jahr der Rundfunk in Deutschland sein 90jähriges Jubiläum feierte, folgte im Februar dieses Jahres das Jubiläum der Ultrakurzwelle (UKW) - ihr 65. Geburtstag am 28.02.2014.


In München Freimann ging im Februar 1949 der erste  Sender auf UKW 90,1 MHz on Air (heute Radio 90,1 Mönchengladbach). In den Tagen darauf folgten Sendeanstalten in Hamburg, Hannover, Köln, Stuttgart, Frankfurt, Nürnberg, Kassel. Bereits im April des Folgejahres konnten nahezu 40% aller Haushalte Radio über UKW empfangen. Dabei löste die neue Frequenzmodulation die alte Amplitudenmodulation ab, die bis dahin auf Lang-, Mittel- und Kurzwelle verwendet wurde. Das Plus lag auf der Hand, die neue Übertragung war weitaus weniger störungsanfällig.

Zur Berliner Funkausstellung 1963 faszinierte die UKW die Menschen: Über zwei getrennte Tonkanäle konnte in Deutschland erstmals Stereo gesendet werden.  Von da an ging es steil bergauf. 1972 die ersten Sendeversuche des heutigen Traffic  Message Channels (TMC) via UKW und 1988 konnten entsprechende UKW-Radiogeräte bereits den Sendernamen per RDS (Radio-Daten-System) anzeigen.

Seit 1990 gibt es eine Konkurrenz. Das digitale Radio terrestrisch, über Kabel und per Satellit versucht, den Platzhirsch UKW zu verdrängen. Hinzu kommen Internetradios aus aller Welt. Bessere Tonqualität, stabiler -bundesweiter- Empfang und eine langsam steigende Anzahl kompatibler Endgeräte konnten die Deutschen bisher aber noch 100 %ig begeistern. Noch wird in fast jedem Autoradio, heimischen Küchenradio oder Radio am Arbeitsplatz die UKW empfangen. Allein in Sachsen senden 26 Sender von verschiedenen Standorten über Ultrakurzwelle.

Wenn es jedoch nach dem Konsortium DRD Digitalradio GmbH geht, ist 2018 Schluss mit UKW.  Dieser Termin für die UKW-Abschaltung wird laut http://www.digitalfernsehen.de angestrebt, um allen Beteiligten mehr Planungssicherheit zu geben.

Ob die Analogabschaltung im Radio in vier Jahren vollzogen wird, bleibt abzuwarten. Langfristig ist die analoge UKW-Übertragung leider ein Auslaufmodell doch heute gratulieren wir zum 65sten Jubiläum.

Zur Pressemitteilung der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik


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Monatsthema Februar 2014

Jugend – Information – Medien

Report des Forschungsprojektes Medienkonvergenz Monitoring zur Aneignung von Information durch 12- bis 19-jährige

Seit 2003 untersuchte das Forschungsteam Medienkonvergenz Monitoring an der Professur für Medienpädagogik und Weiterbildung der Universität Leipzig unter Leitung von Professor Dr. Bernd Schorb, auf welche Art und Weise Jugendliche verschiedene digitale Medien nutzen. Welche medialen Inhalte für die jungen Menschen von besonderer Bedeutung sind und welchen Stellenwert die sogenannte konvergente Mediennutzung in deren Leben einnimmt, wurde anhand von quantitativen Onlinebefragungen sowie qualitativen Intensivinterviews mit Heranwachsenden zwischen 12 und 19 Jahren erforscht. Dabei informierten regelmäßig verschiedene Publikationen über die Ergebnisse der Langzeitstudie, die von der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) gefördert wurde. Mit dem aktuellen Report von Dezember 2013 zur Aneignung von Information ist das Forschungsprojekt nun abgeschlossen.


Jugend in der Informationsgesellschaft

Das Internet ist ein unendlicher Datenpool, der Zugriff darauf erfolgt dank kontinuierlich optimierter Technik immer schneller, unabhängig von Ort und Zeit. Doch wie nutzen Jugendliche das Internet tatsächlich? Bereits in der Veröffentlichung „Klangraum Internet“ des Forschungsprojektes Medienkonvergenz Monitoring wurde deutlich, dass die informationsorientierte Nutzung mobiler Endgeräte im Vordergrund steht. Wie die Auswertung der Befragungsdaten im Report „Jugend – Information – Medien“ ergab, erachten die 12- bis 19-jährigen in erster Linie Medienthemen als wichtig. Zukunftsplanung, Ausbildung und Beruf sowie politische oder gesellschaftlich relevante Themen folgen darauf. Bewertung und tatsächliche Auseinandersetzung mit diesen Themen können jedoch divergieren. Vielmehr stehen Informationen zur eigenen Lebenswelt im Fokus ihrer medialen Beschäftigung. Diese umfassen neben persönlichen Interessen, wie zum Beispiel dem Freizeitbereich, auch Recherchen für die Schule. Bei der Informationssuche ist das Internet für Jugendliche die zentrale Anlaufstelle. Zeitungen, Zeitschriften und TV sind für sie jedoch nach wie vor von Bedeutung, während Büchern eine geringere Relevanz zukommt.

Facebook & Co als Kommunikationsraum der eigenen Lebenswelt

Soziale Online-Netzwerke stellen für die Jugendlichen ebenso wichtige Informationen bereit, wie die Suchmaschine Google. Diskussionsforen, Blogs und Twitter hingegen spielen kaum eine Rolle. Neben der Rezeption partizipieren zwei Drittel der Jugendlichen auch aktiv mit dem Schreiben eigener Beiträge, Kommentare oder Bewertungen, um ihre Freunde und Bekannten zu informieren. „Dies hängt auch damit zusammen, dass sie sich auf entsprechende informationsbezogene Tätigkeiten Reaktionen aus ihrem sozialen Nahraum erhoffen […]. Dies trifft in besonderem Maße auf Heranwachsende mit niedrigem Bildungshintergrund zu. Hier ist zu beobachten, dass sie das Internet als einen Raum wahrnehmen, in dem sie sich mit ihren Fähigkeiten einbringen und darüber die Aufmerksamkeit und Anerkennung anderer beziehen können. Gleichzeitig stellen diese Jugendlichen weniger Reflexionen hinsichtlich der Risiken der Veröffentlichung eigener Beiträge an.“ (Jünger, 89f).

Informationsmöglichkeiten nicht ausgeschöpft

Die Autoren stellen fest, dass ein größeres Informationsangebot nicht zwangsläufig eine bessere Informiertheit oder verbesserte Partizipationsmöglichkeiten ebenso gehäufte Partizipation bedeuten (Kuttner/ Schorb, 122). So erfüllt Google auch bei den Jugendlichen eine Gatekeeper-Funktion. Oft werden nur die Suchergebnisse der ersten Seite angeklickt, der praktische Nutzen steht im Vordergrund. Diese Auswahl wird von den Heranwachsenden nicht hinterfragt. „Mit Blick auf die Recherchestrategien wird einmal mehr die enorme Informationsmacht des Anbieters deutlich. […] Bisher bieten allerdings nur äußerst wenige Interviews Hinweise darauf, dass seitens der Schule Anregungen gegeben werden, sich mit Google als Angebot kritisch-reflexiv auseinanderzusetzen oder auf alternative Suchhilfen zurückzugreifen (z. B. Datenbanken, Kataloge). Damit wird Wissen tendenziell zu dem, was Google als wissenswert vorgibt. […] Alle, die etwas wissen wollen, erfahren das Gleiche aus der gleichen Quelle.“ (Kuttner/ Schorb, 123).

Link zum Report:

Jugend – Information – Medien, 2013. Bernd Schorb (Hrsg.) Neuer Report des Forschungsprojektes Medienkonvergenz Monitoring zur Aneignung von Information durch 12- bis 19-Jährige

Informationen zum Forschungsprojekt Medienkonvergenz Monitoring


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Monatsthema November 2013:

OER im GesprächJonathasmello















Bild: Global Open Educational Resources Logo - www.jonathasmello.com

OER – das sind Open Educational Resources, freie Lehr- und Lernmaterialien jeglicher Art, die sowohl offen zugänglich sind als auch bearbeitet und weitergegeben werden dürfen, ohne dass dabei Nutzungs- oder Lizenzgebühren anfallen. Ihre Potentiale werden seit einigen Jahren international immer intensiver diskutiert. Vor allem die UNESCO, die OECD, aber auch die EU treiben die OER-Bewegung voran. Aktuell gilt deren Verbreitung und Nutzung in den USA oder vielen Nachbarländern Deutschlands schon als fortgeschritten, hierzulande hinkt die Entwicklung jedoch hinterher. So zeigte eine 2011 von der OECD durchgeführte Umfrage unter den 34 Mitgliedstaaten, dass sich neben Australien, Island und der Schweiz auch Deutschland nicht zur OER-Bewegung dazu zähle. Zwar gibt es vereinzelt lokale Projekte, wie zum Beispiel der Schulbuch-O-Mat, doch das Thema OER werde selten bearbeitet, so Elly Köpf von Wikimedia Deutschland e.V. im Webtalk von pb21.de, und auch die Vernetzung der Akteure ließ bisher zu wünschen übrig.

Freie Bildungsmaterialien in Deutschland – OER-Konferenz 2013

Um diese Situation sichtbar zu machen und um eine Verbesserung in Angriff zu nehmen, fand am 14. und 15. September in Berlin die erste OER-Konferenz in Deutschland statt. Veranstalter war Wikimedia Deutschland und Schirmherr die Deutsche UNESCO-Kommission. Sowohl die Medienanstalt Berlin-Brandenburg als auch Werkstatt bpb, Creative Commons Deutschland und das Collaboratory beteiligten sich dabei als Partner.

OERde13 Clip from Wikimedia Deutschland on Vimeo.

Bekanntheitsgrad und Vernetzung der Akteure verbessern

In Vorträgen und Gesprächen wurden die Bedeutung von OER in Gesellschaft und Politik sowie die Situation in den Ländern Polen, Großbritannien, Belgien oder Dänemark thematisiert. Als Beispiel für OER in Deutschland wurde serlo.org vorgestellt, eine kostenlose Internetseite für SchülerInnen mit Lernmaterialien und Lernsoftware für das Fach Mathematik. Darüber hinaus setzten sich die Besucher der Konferenz mit der Frage auseinander, wie OER in der Praxis, in Projekten und Forschung aktuell zu verorten seien. Auch Hinweise zu Qualität und Zugänglichkeit, Anleitungen, Tipps und Tricks sowie Wege der Finanzierung und Rahmenbedingungen wurden angesprochen. Als wichtiger Aspekt tauchte in der Konferenz immer wieder das Thema Lizensierung auf: Creative-Commons-Lizenzen, ihre richtige Nutzung und Anwendung sowie Risiken und mögliche Folgen wurden besprochen, ebenso die Rechte an der Software und den Inhalten von eigenen Apps.

Nach Abschluss der Konferenz sind viele Inhalte unter http://werkstatt.bpb.de/category/oerkonferenz2013/ abrufbar.

Das Programm mit Stichpunkten aus den Vorträgen (weitere Links ins Etherpad):

https://www.wikimedia.de/wiki/OERde13/Programm#SpeedLab_.22Experiences.22

Eine Übersicht der Themenschwerpunkte:

http://pb21.de/themenschwerpunkt-zur-oer-konferenz-2013/

Videodokumentation auf Vimeo:

http://vimeo.com/album/2532532/

Weiterführende Links zu OER:

Eine ausführliche Publikation zu OER von der Deutschen UNESCO-Kommission:

http://www.unesco.de/fileadmin/medien/Dokumente/Bildung/Was_sind_OER__cc.pdf

Dossier 2013 zu OER:

http://www.pedocs.de/volltexte/2013/7868/pdf/DBS_2013_OER.pdf

Studie 2011, OECD (engl.):

http://oer.unescochair-ou.nl/?wpfb_dl=38

Schulbuch-O-Mat:

http://schulbuch-o-mat.oncampus.de/loop/BIOLOGIE_1

Paul Klimpe, Informationen zu CC-Lizenzen:

http://irights.info/userfiles/CC-NC_Leitfaden_web.pdf


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Monatsthema Oktober 2013

MiniKIM 2012

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest legt Studie zur Mediennutzung von Vorschülern vor.

Seit 1999 führt der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) regelmäßig Studien über das Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen durch. Die im April dieses Jahres veröffentlichte KIM-Studie enthielt erstmals einen Sonderteil "miniKIM". Diese Studie widmet sich dem Mediennutzungsverhalten von Vorschulkindern im Alter von zwei bis fünf Jahren.

Bild: Otto-Wunderland von weiliewei (www.flickr.com)

Bild: Otto-Wunderland von weiliewei (www.flickr.com)

Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest will mithilfe der Datenerhebungen in erster Linie über die tatsächliche Mediennutzung der "digital natives" aufklären. Positive oder negative Auswirkungen der Mediennutzung auf unsere Lebensqualität werden immer wieder diskutiert und mittels Klischees oder Unkenntnis verklärt. Eine repräsentative Datenerhebung soll jene Felder hervorheben, die zukünftig in den Fokus der Medienbildung rücken müssen.

Die regelmäßig erscheinende KIM-Studie stellte bereits fest, dass bereits Grundschulkinder Vorkenntnisse im Mediennutzungsverhalten mitbringen. Es lag nahe, eine Studie mit Kindern im Vorschulalter durchzuführen, um die erste Schritte in der heutigen mediatisierten Gesellschaft nachzuzeichnen. Vor drei Wochen wurde die umfassende "miniKIM 2012" mit Basisdaten zur Mediennutzung von Kindergartenkindern offenlegt.

Da in dieser Alterskategorie die direkte Befragung der Zielgruppe schwierig ist, wurden 632 Haupterzieher für die anonyme Datenerhebung ausgewählt, vorwiegend Mütter.

Die wichtigsten Ergebnisse der "miniKIM 2012":

Bzgl. der Haushalte, in denen Kleinkinder aufwachsen, kann man von einer Vollversorgung an Mediengeräten sprechen. Nahezu jeder Haushalt verfügt über mindestens ein Fernsehgerät, Radio, Smartphone, Computer/Laptop inkl. Internetzugang, CD-Player, etc. Mindestens jeder zweite Haushalt verfügt über einen DVD-Player, Spielkonsole und Digitalkamera. Diese sind den Kleinkindern zugänglich, aber die wenigsten besitzen selbst Mediengeräte. Allen voran ist der CD-Player eines der ersten "eigenen" Geräte zur Mediennutzung, den jedes vierte Kind im Alter zwischen zwei und fünf Jahren besitzt.

Die häufigste Freizeitbeschäftigung, die von den Haupterziehern angegeben wurde, ist bei den Vorschul- und Kindergartenkindern allerdings nach wie vor das Spielen drinnen und draußen. Das Fernsehen hat das Medium Buch in der Zielgruppe 4 bis 5 Jahre abgelöst. Bei den 2 bis 3jährigen ist die Bindung zum Buch deutlich enger. 62% der Haupterzieher dieser Altersgruppe gaben an, dass ihre Kinder lieber Bücher lesen und dafür auf Fernsehen verzichten. Unter den älteren Vorschulkindern könnten dagegen bereits 54% laut Angaben der Eltern schwerlich auf das Fernsehen verzichten. Der direkte Blick auf die Mediennutzung macht deutlich, dass die meisten Kinder im Beisein der Eltern bzw. im Familienverband Medien nutzen. Außenseiter ist hier das Hörspiel, das zu 41 % allein gehört wird. Eine Konsolennutzung oder Internet ist in dieser Alterskategorie kaum zu finden und wenn dann ebenfalls im Beisein der Haupterzieher.

Fernsehen gewinnt ab dem vierten Lebensjahr eine enorme Bedeutung. Hier ist mit großem Abstand die "Sendung mit der Maus" eines der beliebtesten Formate, das laut Angaben der Eltern  zielgerichtet im Familienverband gesehen wird.

Brisant waren die Ergebnisse eines Assoziationstests, bei dem die Haupterzieher Medien bestimmte Merkmale zuordnen sollten. Das Medium Buch verbinden die meisten mit zukünftigem Schulerfolg und Fantasieförderung. Das Internet sehen dafür 89% der Eltern als gefährlich an, ebenso Filmmedien. Diese könnten eine Affinität zur Gewaltbereitschaft hervorrufen, werden aber auch als wichtiger Kommunikationsinhalt, gesehen, um mitreden zu können.

Bezüglich der eigenen Medienkompetenz sieht sich der Großteil der Haupterzieher (73%) gut bis sehr gut aufgestellt, wenn gleich auch nahezu derselbe Prozentsatz Lehrer und Erzieher in die Pflicht nehmen, Medienerziehung zu betreiben. Auch das Thema Filterprogramme für sicheres Surfen im Netz wird bei den Haupterziehern als wenig relevant empfunden. Hier scheint flächendeckend der bewahrpädagogische Ansatz zu greifen, der nicht so recht zu dem Bild zu passen scheint, das die Haupterzieher von ihrer eigenen Medienkompetenz haben. Denn der Schwerpunkt der modernen Medienerziehung liegt heute vor allem in der aktiven Auseinandersetzung mit Medien.

Die Brücke zum Haupterzieher lässt sich an dieser Stelle wohl am effektivsten über den Lehrer oder Erzieher in Betreuungseinrichtungen schlagen. Immerhin würden 60% der Befragten mit kritischen Fragen an die Pädagogen herantreten. Es wird demnach in Zukunft wichtig sein und bleiben, Erziehern und Lehrern ein Spektrum an medienpädagogischen Aus- und Fortbildungen zu bieten, um Eltern als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen.

Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest ist eine Kooperation der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) und der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK). Die Durchführung der Studie erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk (SWR)

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Facebook ist out?

Das ergab jüngst wieder eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts PEW, die unter US-Amerikanischen Jugendlichen durchgeführt wurde. Einer der Gründe ist, dass immer mehr ältere Menschen dieses Soziale Netzwerk nutzen. Damit verliert Facebook seinen „Coolnessfaktor“. Ein Trend, von dem auch die 13-jährige Ruby Karp aus den USA in ihrem Artikel auf der Social-Media-Nachrichten-Website Mashable berichtet hat.

Foto: Social Media apps Jason A. Howie flickr.com Foto: Social Media apps - Jason A. Howie www.flickr.com

Die Entwicklung war bereits Anfang des Jahres abzusehen: Zwei Analysefirmen, Socialbakers und Quintly, haben im April Zahlen veröffentlicht, die gar einen Abwanderungstrend in Deutschland aufzeigten. So habe das Netzwerk in den ersten drei Monaten diesen Jahres mehr als 220.000 Nutzer unter 45 Jahren verloren. Gleichzeitig kamen fast 50.000 Neuanmeldungen der Über-45-Jährigen dazu. Ein Phänomen, das sich generell in Industrieländern, wie den USA und Großbritannien, beobachten lässt. Allerdings handelt es sich bei dem Schwund vorerst nur um die Zahl der täglich neu registrierten Mitglieder im Vergleich zum vorangegangenen Zeitraum.

Grund für diese Entwicklung sei die hohe Sättigung der Gesellschaft. Laut Prof. Dr. Stefan Bieletzke, Prodekan des Fachbereiches Medien an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM), sind bereits mehr als ein Drittel der erwachsenen Deutschen Mitglied bei Facebook. Somit findet nur noch vor allem in der Gruppe der "Über-45-Jährigen" ein Nutzerwachstum statt, wie verschiedene Studien ergeben. Damit erhöht sich jedoch wiederum der Altersdurchschnitt − Facebook verliert immer mehr seinen „Coolnessfaktor“ für  Jugendliche. Hinzu kommt der Trend, dass viele Nutzer nur noch mobil auf das Netzwerk zugreifen. Dafür sind allerdings viele Facebook-Anwendungen von Fremdanbietern noch nicht ausgereift. Apps dagegen schon. Diese bieten den Nutzern im Vergleich mehr Privatsphäre und finden damit immer mehr Anklang. Aber auch die Netzwerke wandeln sich. So sind gerade in den USA zum Beispiel Instagram, eine Tochterfirma von Facebook, und Snapshot, bei dem es primär um das Teilen von Bildern geht, angesagt.

Währenddessen verlieren die reinen Sozialen Netzwerke zunehmend ihren Reiz. Welche Konsequenzen das mit sich bringen kann, hat Vert Capital bereits am eigenen Leib erfahren müssen: Im April 2012 hat mit SchülerVZ eines der ehemals größten deutschen sozialen Netzwerke geschlossen. Innerhalb von anderthalb Jahren gingen die Nutzerzahlen von rund fünf Millionen auf 200.000 zurück. Doch gibt sich das Unternehmen damit noch nicht geschlagen. Ein neues Angebot soll her. Dabei setzen die Betreiber mehr auf Lerninhalte und hoffen, ein Publikum ansprechen zu können, welches bei Facebook momentan offiziell noch ausgeschlossen ist: die Gruppe der unter 13-Jährigen. Was dagegen mit den Schwesternetzwerken StudiVZ und MeinVZ passiert, bleibt unklar. Sicher ist nur, dass auch diese massive Einbrüche in ihren Nutzerzahlen erlitten – zusammen fielen sie von zwölf auf 1,6 Millionen Nutzer. Somit bleibt Facebook trotz allem unangefochtener Marktführer und wächst − global gesehen − auch weiterhin, wie es die aktuellen Zahlen von allfacebook.de belegen.

Doch fällt dieses immer geringer aus. Zum Vergleich: Im Quartal 2012 gab es gegenüber dem ersten Quartal 5,65 Prozent mehr aktive Nutzer. Ein Jahr später waren es nur noch 3,9 Prozent. Sicherlich mag eine Sättigung der Gesellschaft dazu beitragen, dass die Zahl der aktiven Nutzer nicht weiter steigt. Doch sollten hierbei auch weitere Gründe in Betracht gezogen werden: Bei Facebook hat es in der Vergangenheit stetig Veränderungen gegeben, die sowohl auf die Privatsphäre als auch auf den Datenschutz der Nutzer Auswirkungen hatten. Um das Netzwerk adäquat zu nutzen, bedarf es zunehmend einer intensiven Auseinandersetzung mit etwaigen AGB’s oder Datenschutzrichtlinien. Gerade Kinder benötigen hierbei fachkompetente Unterstützung, um sich zurechtzufinden − erst Recht im Hinblick auf die geplante Verjüngung der Zielgruppe. Und diese Welle der Aufklärung hat längst begonnen, seien es medienpädagogische Projekte, Informationsmaterialien beispielsweise von Klicksafe oder Elternabende. Hinzu kommt, dass die novumbedingte Facebook-Euphorie nach und nach abschwächt. Das macht es wiederum neuen Produkten leichter, sich durchzusetzen, vor allem wenn dort mehr auf Privatsphäre geachtet wird. Dennoch muss auch in Zukunft der Blick hinter die Kulissen der Social Media Angebote  stetig gefördert werden. Die aktuelle Diskussion über die Sammlung und Verwertung von personenbezogenen Daten ist hier nur ein Aspekt, der in der medienpädagogischen Arbeit Beachtung finden sollte. In der Theorie und Praxis gilt es stets am Ball der medialen und gesellschaftlichen Entwicklungen zu bleiben, jedoch ohne gewissen Medienhypes und -moden hinterher zu laufen.

Weiterführende Links:

http://mashable.com/2013/08/11/teens-facebook/

http://www.ahrens.de/?p=12865

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Facebook-Statistik-Junge-Nutzer-wandern-ab-1834977.html

http://allfacebook.de/zahlen_fakten/quartalszahlen-facebook-deutlich-im-plus-mit-einem-neuem-rekordumsatz

http://www.socialmediastatistik.de/uberblick-aktuelle-zahlen-zu-facebook-twitter-und-instagram/#more-2150

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Medienkompetenz für Kinder und Jugendliche

Bundesfamilienministerium und GMK (Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur) stellen Bericht zur Förderung von Medienkompetenz vor.


Digitale Medien sind immer stärker mit dem menschlichen Alltag verflochten. Das Smartphone ermöglicht jederzeit und an jedem Ort den Weg ins Internet, soziale Netzwerke bilden eine neue Form der Öffentlichkeit, viele Online-Services sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Die Kinder und Jugendlichen von heute wachsen als sogenannte „Digital Natives“ auf: sie nutzen ganz selbstverständlich eine digitale Technik, von deren Existenz die Generation zuvor noch nicht einmal wissen konnte. Doch während die Bedienung der Geräte den Heranwachsenden ganz besonders leicht fällt, bleiben die Inhalte für sie oft ein unsicheres Terrain. Schließlich reicht ein kompetenter Umgang mit Medien über deren Bedienung hinaus.

„Wissen, Bewerten und Handeln“, so bezeichnen die Experten Bernd Schorb und Ulrike Wagner die drei Dimensionen von Medienkompetenz. Als Mitautoren des Berichts „Medienkompetenzförderung für Kinder und Jugendliche. Eine Bestandsaufnahme“ vom 10. Juli 2013 fordern auch sie eine umfassende Begleitung bei der Entwicklung des souveränen Umgangs mit Medien, in den Familien selbst, aber auch in Kindertagesstätten, Schulen und in der außerschulischen Jugendarbeit.

Medienkompetenz schon ab der frühen Kindheit fördern

Während in der Familie ein erster Kontakt mit Medien stattfindet, vermittelt sie gleichzeitig „Lebensstile und Wertesysteme“, so der Medienpädagoge Bernward Hoffmann. Vor allem in Konflikten benötigen die Eltern umfassende medienpädagogische Unterstützung von außen, auch um Risiken selbst bewerten zu können. Von Vorteil bei den Beratungsangeboten sind in jedem Fall klare Altersangaben sowie ständig aktualisierte und auf die Zielgruppe angepasste Informationen. Die Umsetzung von Medienbildung und Medienerziehung in Kindertageseinrichtungen hingegen ist abhängig von den Bildungsplänen der jeweiligen Bundesländer. So fällt im sächsischen Bildungsplan die vorschulische Medienbildung in die Bereiche soziale, kommunikative, ästhetische und naturwissenschaftliche Bildung. Die Hervorhebung zum eigenständigen Bildungsbereich sowie ein bundesweit vernetztes Weiterbildungsangebot für Erzieherinnen und Erzieher gelten für den Autor Norbert Neuß als wichtige Grundlage in der Medienkompetenzförderung.

Schulen stehen in der Verantwortung

Vor allem der Institution Schule kommt eine tragende Rolle in der Vermittlung von Medienkompetenzen zu. Ein Schritt in die richtige Richtung konnte bereits in der Kultusministerkonferenz im Jahr 2012 gemacht werden: In Lehr- und Bildungsplänen, Lehrerbildung, Schulentwicklung, Ausstattung und technischem Support, Bildungsmedien, Urheberrecht und Datenschutz, hinsichtlich außerschulischer Kooperationspartner, Qualitätssicherung und Evaluation sollte Medienbildung „verankert und nachhaltig umgesetzt werden“, zitiert die Autorin Dorothee M. Meister die Erklärung der KMK (2012). Handlungsempfehlungen gab es schon zuvor, sowohl seitens der bundesweiten Initiative „Keine Bildung ohne Medien“ (KBoM) als auch von der Fachgruppe Schule der GMK. Bestimmte Rahmenbedingungen bleiben für eine Umsetzung jedoch unerlässlich.

Auch in der außerschulischen Jugendarbeit bieten sich vielfältige Möglichkeiten zur Förderung der Medienkompetenz, wie die Autorin Angela Tillmann betont. Anknüpfungspunkte seien hier vor allem die Interessensbereiche der Jugendlichen, die beispielweise ihr eigenes Engagement und verschiedene Partizipationsformen insbesondere mit dem Medium Internet ausprobieren können. Die strukturierte Qualifikation und Weiterbildung der Fachkräfte bleibt, genauso wie die Einbindung schwer erreichbarer Zielgruppen, jedoch auch in der außerschulischen Jugendarbeit noch immer eine Herausforderung.

www.medienkompetenzbericht.de

http://dialog-internet.de/

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Von Mächten und Mühsalen in der Medienlandschaft.

Anfang Mai  fand der 15. Medientreffpunkt Mitteldeutschlands in der media city in Leipzig statt. 1.300 Teilnehmer besuchten den Medienkongress der sich mit aktuellen Fragen und Trends der Medienwelt beschäftigte. Ca. 250 Referenten in 45 Podien diskutierten über Digitalisierung, Qualität und Effizienz in der Mitteldeutschen Medienlandschaft, ebenso wie über Medienrecht, Medienpolitik und Medienwirtschaft.

Martin Heine, Direktor der Landesmedienanstalt Sachsen-Anhalt machte im Voraus schon deutlich, dass sicher nicht auf alle Fragen eine Lösung  gefunden werden kann, aber " [...] man kann in der Medienwelt nichts bewirken, wenn man nicht auch medienwirksam seine Position vertritt [...]", so Heine.

Ziel sei es auch diesmal gewesen, eine medienpolitische Plattform zu bieten,  aktuelle Fragen, neue Konzepte und Trends zu diskutieren. Außerdem ist es den Veranstaltern wichtig die Medienfamilie Mitteldeutschlands näher zusammen und in einen ständigen Erfahrungsaustausch zu bringen.

Die Diskussionen im Panel "Alles für die Kleinen - Besondere Vermarktung für den besonderen Kinderfilm" sorgten da auch schon mal für die plötzliche Geburtsstunde eines Kinderfilmpreises. Dessen Väter Thomas Weymar (Telepool Leipzig) und Manfred Schmidt (MDM) wollen damit innovative Marketingkonzepte unterstützten, die Filme schon während der Produktion effizient promoten. Weymar und Schmidt erklärten sich auch sofort bereit ein Preisgeld von 5000€ zu gleichen Teilen zu tragen.

Ähnlich euphorisch sprach auch Dr. Karola Wille, Intendantin des MDR über den geplanten Jugendkanal der  ARD und ZDF. Der allerdings erst 2017 an den Start gehen soll oder "vielleicht auch schon 2015 - ich hoffe jedenfalls, so schnell wie möglich!", so Dr. Wille.

Foto: @MTM_blog

Foto: @MTM_blog

"Nach meinem ersten Bauchgefühl denke ich, wir haben hier 2013 was ganz Ordentliches abgeliefert, wo es so viel Anlass zur Kritik sicherlich nicht geben", sagte Heine am letzten Tag der Veranstaltung.

Der Medientreffpunkt Mitteldeutschland wird jedes Jahr von den Landesmedienanstalten Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen initiiert und von der Stadt Leipzig, dem MDR und weiteren Unternehmen der Branche mit getragen. Die Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanäle (SAEK) berichteten tagesaktuell vom Medientreff in Leipzig auf www.edmedien.de/MTM/.

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Monatsthema Mai: KIM Studie 2012

Gute Zeiten, schlechte Zeiten, Simpsons oder SpongeBob. Fernsehen ist für Kinder unverzichtbar.

Medienpädagogischer Forschungsverband Südwest (mpfs) veröffentlicht Basisdaten der Studienreihe KIM (Kinder + Medien, Computer + Internet) zur Mediennutzung von Kindern in Deutschland.

Der Kinder liebstes Kind ist der Fernseher. Das war schon bei der letzten KIM 2010 der Fall. Auch 2012 hat sich das nicht verändert, wie die repräsentative Befragung von 1.220 Kindern zwischen dem 29. Mai und dem 13. Juli 2012 ergab: „79 Prozent der Sechs- bis 13-Jährigen sehen jeden oder fast jeden Tag fern […]“ und knappe 60 Prozent können nicht mehr auf dieses Medium verzichten, heißt es in der Studie (KIM 2012, S. 73). Ein knappes Viertel der Kinder musste dabei jedoch auch schon die Erfahrung machen, dass bestimmte Inhalte ängstigen oder überfordern können.


Foto: antisocialtory, Some content may not be suitable for children, www.flickr.com

Nach Angaben der Haupterzieher verbringen die Kinder pro Tag im Durchschnitt 95 Minuten ihrer freien Zeit vor dem Fernseher. Das Internet nutzen sie 28 Minuten täglich. Zwei Jahre zuvor lag die Internetnutzung noch bei 24 Minuten. Der Trend ist also erkennbar. Mit durchschnittlich acht Jahren beginnen Kinder, das Internet zu nutzen. Vor allem ab einem Alter von zwölf Jahren wandelt sich das Mediennutzungsverhalten: Der Computer und das Internet werden immer wichtiger.

Steigende Bedeutung des Internets

Im Jahr 2012 surften 36 Prozent der Kinder (fast) täglich im Internet, 10 Prozent mehr als noch 2010. Über ein Drittel der Kinder darf dabei ins Netz, ohne die Erziehungsberechtigten vorher um Erlaubnis zu bitten. Auf die Frage, welche Seiten sie nutzten, wurden von den Kindern Suchmaschinen und Communities am häufigsten angegeben. Gleichauf in der Beliebtheitsskala liegen Filme, Videos und kurze Clips. Vor allem bei Mädchen ist Facebook eine gern besuchte Seite, was der Medienpädagogische Forschungsverband Südwest kritisch sieht: „Nach den Nutzungsbedingungen des Unternehmens ist die Anmeldung prinzipiell erst ab 13 Jahren erlaubt. Zudem steht Facebook seit einiger Zeit hinsichtlich des Umgangs mit den persönlichen Daten der Nutzer stark in der Kritik“ (KIM 2012, S. 41).

Welche Konsequenzen sollen nun für die medienpädagogischen Praxis anhand dieser Zahlen gezogen werden. Der Studioleiter des SAEK Bautzen, Michael Ziesch sieht die Entwicklung differenziert: „Jede neue Technologie birgt neben ihren Möglichkeiten immer auch Gefahren. Der verantwortungsbewusste Umgang damit kann jedoch gelernt werden kann. Speziell in Bezug auf Facebook raten wir zu einer gesunden Skepsis, verbunden mit dem Hinweis, dennoch alles auszuprobieren, um den eigenen Nutzen für sich zu entdecken. Die Technologie ist das eine, was mit dem gesunden Menschenverstand daraus gemacht werden kann, ist das andere.“

Geschwindigkeit im WWW


Neben Facebook landete die Plattform SchülerVZ bei der Befragung in der Beliebtheit auf Platz zwei. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Studie, fast ein Jahr nach der Erhebung der Daten, gaben die Betreiber der Plattform bekannt, dass Schüler VZ seine Tore schließen wird – ein Zeichen für die Schnelligkeit des Wandels in der digitalen Welt. Parallel werden auch neue Geräte entwickelt und verbreitet. Hatten zum Erhebungszeitraum nur sieben Prozent der Kinder ein Smartphone, ist davon auszugehen, dass es schon in der nächsten Studie sehr viel mehr sein werden.

Den richtigen Umgang mit diesen Medien werden nach wie vor die Erziehungsberechtigten verantworten. Doch verunsichern lassen sollten sich Eltern davon nicht, denn Kinder bleiben  Kinder und deren liebste Freizeitbeschäftigung ist wie seit vielen Generationen das Treffen mit Freunden. Soziale Netzwerke und Handys dienen dabei vielmehr als Mittel zum Zweck: „Es ist nicht ein entweder oder, sondern es ist eine Integration. Das heißt, Smartphone und Handy dienen dazu, dass der Kontakt zu den gleichaltrigen Freundinnen und Freunden nie abreißt und gepflegt werden kann“, erklärt Dr. Ekkehard Sander vom Deutschen Jugendinstitut in München im Rahmen eines Radiointerviews für den SAEK Bautzen.

Ebenso interessant und beruhigend: Bei den Kleinkindern zählt das „Buch ansehen“ zum am häufigsten praktizierten Medienverhalten (2-3-jährige = 65 Prozent, 4-5-jährige = 88 Prozent). Die KIM-Studie 2012 hat hier erstmals Nutzungsdaten zu Vorschulkindern erhoben.

KIM Studie 2012 als PDF-Download

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Aktuelles Thema: Spaßfaktor Cybermobbing

Johannes Kepler Universität Linz veröffentlicht Studie über Gewalt im Internet.

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Bedrohung als Zeitvertreib: Täter mobben aus Spaß an der Freude − auch im Internet. Das hat eine Studie des Instituts für Gesellschafts- und Sozialpolitik an der Johannes Kepler Universität Linz ergeben. Aber auch die vermeintliche  Anonymität im Internet sowie die Konfrontationmit Gewalt und Aggression in den Medien tragen zur Entstehung von Willkür im Internet bei. "Drohungen oder Beschimpfungen gegenüber andere auszusprechen, fällt leichter, wenn man regelmäßig beim Medienkonsum mit gewalthaltigen und aggressionsbezogenen Inhalten konfrontiert wird", heißt es dazu in der 2013 veröffentlichten Studie "Cyberbullying im internationalen und lokalen Kontext. Hintergründe, Auswirkungen und Gegenstrategien eines gesellschaftlichen Phänomens".

Betreffen kann es jeden. Dennoch gibt es auslösende Effekte, die ein Opfer prädestinieren: "Wenn ein Jugendlicher zum Beispiel nicht dem Schönheitsideal entspricht oder mehr Körperfülle hat. Ebenso ist die Diskriminierung aufgrund der Sexualität ein großes Thema, das häufig auch vergessen wird", berichtet Jacqueline Hofmann. Die Sozialpädagogin bietet regelmäßig Beratungen und Schulungen zu Themen wie Gewaltprävention oder Aggression an und arbeitet dabei mit dem Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanal (SAEK) Chemnitz zusammen. Des Weiteren sind es soziale Minderheiten der Gesellschaft, die mit Angriffen von anderen Personen zu rechnen haben. Und das rund um die Uhr. "Das Cybermobbing endet eben nicht nach der Schule oder der Arbeit. Der Eingriff in das Privatleben findet somit ohne Pause statt", erklärt Susann Riedel, Studioleiterin des SAEK Chemnitz. Hinzu komme, dass das Publikum unüberschaubar groß sei. "Somit verbreiten sich die Inhalte extrem schnell. Und sobald sie online gestellt werden, lassen sie sich nur noch schwer kontrollieren", weist Susann Riedel auf die Gefahren von Cybermobbing hin. Plattformen dafür gibt es genug: Instant Messenger, Chatrooms und Soziale Netzwerke, wie Facebook. "Was einmal im Internet steht geht nicht wieder raus", weiß auch Jacqueline Hofmann. "Der wichtigste Faktor ist hierbei die Aufklärung. Kinder und Jugendliche sollten − bevor sie ein Profil anlegen − darüber informiert werden, worauf sie sich einlassen und dass man im Internet nicht alles angeben muss, was gefragt wird." Weiterhin seien die Profile so zu schützen, dass nicht jeder mitlesen kann.

Jacqueline Hofmann, www.elternarbeit-sachsen.deSusann Riedel, Studioleiterin des SAEK Chemnitz

Aufklären, sich selbst darüber informieren, beobachten was passiert − es ist zunehmend Aufgabe der Lehrer und der Eltern, Kindern den richtigen Umgang mit den neuen Medien beizubringen und sie zu schützen. Eine Aufgabe, die durch die Medienpädagogik unterstützt werden kann. Denn wie die Studie aus Linz weiterhin besagt, spiele die Vermittlung von Medienkompetenz eine zentrale Rolle. Ein Bewusstsein, dass sich bereits bei den VZ Netzwerken Ltd. verankert hat. Laut ihrer Arbeitsmappe beinhalte die Medienkompetenzvermittlung bei Cybermobbing unter anderem das "Kennenlernen der Besonderheiten von Online-Kommunikationsmöglichkeiten und Konsequenzen, die ein Missbrauch derselben haben kann" sowie das "Erlangen von Handlungskompetenzen in Form von Problemlösungsstrategien, sich sowohl in die Opfer-, als auch Täter_innenperspektive versetzen können und Gefühle und Verhalten begründen und reflektieren können".

Aber auch Facebook hat dieses Jahr eine Kampagne gegen Cybermobbing gestartet. Mit der Gruppe "Sei Mutig. Stopp Mobbing" wird den Nutzern seit Januar eine Plattform zur Verfügung gestellt, um sich über diese Problematik auszutauschen und gegenseitig zu helfen. "Wichtig ist den Kinder zu zeigen: Wir sind für euch da und ihr könnt euch an uns wenden", fasst Jacqueline Hofmann zusammen. Eine Anforderung, der auch die SAEK in ihrer medienpädagogischen Projektarbeit nachkommt und Lehrern und Eltern damit unterstützend zur Seite stehen.

Studie:

http://www.liqua.net/images/dokumente/cyb_cyberbullying_im_internationalen_und_lokalen_kontext_lva_endbericht.pdf

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Medienpädagogik in Sachsen - Verantwortliche versammelten sich zum Netzwerktreffen im Sächsischen Landtag

"Medienerziehung ist zwar fächer- und schulartenübergreifend in den sächsischen Lehrplänen verankert, es fehlt aber an den Ressourcen zur praktischen Umsetzung und die feste Verankerung in der Evaluation.", so eine der Thesen, welche am 20. Februar im Sächsischen Landtag in Dresden diskutiert wurde. Das Netzwerk Medienpädagogik Sachsen und die sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) hatten zur Fachtagung " Profilierung der medienpädagogischen Arbeit in Sachsen" eingeladen. Eindrucksvolle 160 Vertreter aus der Politik, Medienwirtschaft, Schule, medienpädagogischen Einrichtungen und freie Medienpädagogen folgten der Einladung. Medienerziehung soll künftig einen festen Platz in der Sächsischen Bildungslandschaft bekommen und für alle Bürger zugänglich gemacht werden. Diese Forderungen unterstrich Prof. Dr. Horst Niesyto, der Mitinitiator und Erstunterzeichner des Medienpädagogischen Manifestes, in seinen Eingangsreferat. Darüber waren sich die meisten Teilnehmer in den anschließend stattfindenden sechs Workshops einig. Dort ging es vor allem darum die Rahmenbedingungen der medienpädagogischen Arbeit zu diskutieren und die künftige Ausrichtung der medienpädagogischen Arbeit in Sachsen zu beraten.


Bei den engagiert geführten Diskussionen wurde deutlich herausgestellt, dass die Einbeziehung medienpädagogischer Inhalte einen höheren Stellenwert bei der fachlichen Ausbildung von Lehrern und Erziehern sein sollte.  Auch medienpädagogische Akteure sollten künftig sich stärker miteinander vernetzen und austauschen. Bei den Gesprächen wurde oftmals offensichtlich, dass auch die Kommunikation nach außen, abseits der medienpädagogischen Community verbessert werden sollte.


Die Fachtagung "Profilierung der medienpädagogischen Arbeit in Sachsen" war die erste ihrer Art im Freistaat. Das wichtigste Ziel, die einzelnen Akteure mit ihren Sichtweisen und Perspektiven miteinander ins Gespräch zu bringen, wurde erreicht. Medienpädagogik in Sachsen hat durch die SAEK-Projekte und andere medienpädagogische Einrichtungen ein solides Fundament, auch das zeigte die Tagung mir kompetenten Teilnehmern und fachkundigen Gesprächen. Viele Tagungsteilnehmer waren beeindruckt von den vorhanden Ressourcen, die es künftig durch ein nachhaltigen und intensiven Dialog aller Beteiligten optimal zu nutzen gilt.

Thesen zur Fachtagung "Profilierung der medienpädagogischen Arbeit in Sachsen"

http://www.medienpaedagogik-sachsen.de/fachtag-2013-thesen.html

Positionspapier zur Situation der Medienpädagogik in Sachsen

http://www.medienpaedagogik-sachsen.de/positionspapier.html

Medienpädagogische Initiativen der SLM

http://www.slm-online.de/medienkompetenz


Aktuelles Thema: Facebook

Facebook zwischen den Interessen von Nutzern und Werbekunden

von Andreas Golinski

Als der Harvard-Student Mark Zuckerberg 2004 sein inoffizielles Jahrgangsverzeichnis „Facemash“ online stellte, ahnte noch niemand, welchen erfolgreichen Weg dieses „soziale Netzwerk“ einmal einschlagen würde. Auf „Facemash“ konnten Studenten zunächst vor allem die Fotos ihrer Kommilitonen bewerten. Innerhalb kürzester Zeit wurde die Plattform an der Universität unheimlich beliebt. Zuckerberg muss wohl damals schon das Potenzial und die Faszination erkannt haben, die von einem solchen Onlineangebot ausgeht. Zum einen ist das die Möglichkeit, sich relativ anonym über Freunde und Bekannte zu informieren. Auf der anderen Seite können sich Mitglieder – wie dann später bei der Nachfolgeplattform „Facebook“ -  im Internet selbst so darstellen, wie sie selbst gern wahrgenommen werden möchten. Je erfolgreicher das soziale Netzwerk wurde, desto mehr Informationen lieferten die Nutzer. Informationen über sich selbst in ihren Facebook-Profilen und Informationen auch dadurch, wie sie sich auf der Plattform bewegten. Während Marketingunternehmen mühsam Kundeninformationen sammeln müssen, bekam und bekommt Facebook diese Daten quasi umsonst und vollkommen freiwillig von seinen Nutzern.

Weigerte sich Zuckerberg anfangs noch, Facebook über Werbung zu finanzieren, so wurde auch ihm schon bald bewusst, wie wertvoll die Nutzerinformationen sind und wie diese werbetechnisch genutzt werden können. Werbepartner können ihre Anzeigen hier so zielgruppengenau wie nirgendwo anders platzieren. So lässt sich Werbung beispielsweise bei allen männlichen Nutzern platzieren, die deutsch sprechen, in Bayern wohnen, zwischen 18 und 30 Jahren alt sind, sich für Surfen interessieren und viele andere Freunde haben, die diesen Sport auch mögen. All diese Informationen, liefert der Nutzer durch sein Profil, seine Freunde oder auch Mitgliedschaften in Interessengruppen auf Facebook. Nach dem  sehr durchwachsenen Börsengang des Unternehmens steht Facebook unter besonderem Druck der Werbekunden, für die eine detailliertes Zielgruppenprofil ein entscheidendes Kriterium für die Zusammenarbeit mit dem sozialen Netzwerk ist.

Neue Nutzungsbedingungen verbessern vor allem Datenverwertung für Facebook

Verbraucherschützer erkannten schon früh die Gefahren, die so für einen gläsernen Facebooknutzer entstehen können und fordern Nachbesserungen. Damit steht Facebook vor dem Dilemma, zum einen in der Öffentlichkeit nicht als der alles beobachtende „große Bruder“ wahrgenommen zu werden, andererseits aber seine Trumpfkarte der umfangreichen Nutzerinformationen nicht aus der Hand geben zu müssen.  Der Internetriese reagiert darauf immer wieder mit Ausweichmanövern und kündigt beispielsweise regelmäßig Veränderungen an, die die Benutzung erleichtern sollen. Aufmerksame Beobachter realisieren aber schnell, dass diese Veränderungen eher dazu angetan sind, Sicherheitseinstellungen so in den Tiefen der Menüs zu verstecken, dass sie ein Großteil der Nutzer nicht mehr findet.

Auch die kürzlich eingeführten neuen Nutzungsbedingungen sind ein Beispiel dafür. Offiziell wurde dazu von Facebook eine Umfrage unter allen Nutzern durchgeführt, an der nach eigenen Angaben nur 0,04 Prozent der weltweit mehr als 900 Millionen Nutzer teilgenommen haben. Hört man sich in der Facebookgemeinde um, hat so gut wie niemand überhaupt mitbekommen, dass es eine Umfrage zu neuen Nutzungsbedingungen gab. Mit diesen neuen Bedingungen hat Facebook u.a. die Möglichkeit,  Statusmeldungen, Links und Fotos noch umfangreicher für Werbezwecke auszuwerten. So heißt es u.a.: "Wir werden Daten so lange einbehalten, wie dies erforderlich ist, um den Nutzern und anderen Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Diese umfassendere Verpflichtung gilt für alle Daten, die wir über Dich sammeln und erhalten, einschließlich Informationen von Werbetreibenden."

Wie lange Facebook mit diesen „Tricks“ durchkommmt, hängt wesentlich von den Nutzen selbst ab. Umfragen zeigen, dass viele von ihnen sich der Datensammelwut von Facebook durchaus bewusst sind. Dazu tragen u.a. zahlreiche Weiterbildungsangebote an Schulen und eine umfangreiche Berichterstattung in den Medien bei. Auswirkungen auf das Facebooknutzungsverhalten hat dies aber kaum. Offensichtlich überwiegen für viele die „Annehmlichkeiten“ des sozialen Netzwerkes gegenüber den Sicherheitsrisiken.

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