Was Hänschen nicht lernt ...!? Chancen und Grenzen der medienpädagogischen Arbeit im Vorschulbereich.
Da Medien schon aus dem Alltag der Jüngsten in unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken sind, muss Medienerziehung mit geeigneten Konzepten bereits in der Kita beginnen. So lautete das Fazit von Vertretern aus Forschung, Praxis und Politik Anfang April in Leipzig. Anlass war ein Fachpodium zum Thema „Vorschulische Medienerziehung in Forschung und Praxis", das in der Sächsischen Landesmedienanstalt (SLM) stattfand. Kati Struckmeyer vom JFF in München stellte dabei unter anderem aktuelle Forschungsergebnisse vor und betonte die Bedeutung einer kindgerechten Methodik in der praktischen Arbeit mit 3- bis 6-Jährigen. Neben den Kindern sind aber vor allem auch Eltern und Erzieher gefordert. Sie sind die entscheidenden Begleiter bei der Medienaneignung von Kindern und müssen wissen, welche Möglichkeiten es in welchen Altersgruppen gibt. In den sächsischen Lehrplänen ist die Medienerziehung bereits über alle Schularten, Klassenstufen und Unterrichtsfächer hinweg fest im Lehrplan verankert. Aber auch im sächsischen Bildungsplan, der den Rahmen für den vorschulischen Bereich vorgibt, sind Bildungsbereiche definiert, die sich mit praktischer Medienarbeit verbinden lassen.
Entwicklungspsychologische Voraussetzungen
Von Geburt an haben Babys Kontakt mit Medien – ein Bilderbuch, das vorgelesen wird, ein Lied aus dem Radio oder der im Hintergrund laufende Fernseher. Doch erst mit der Entwicklung der sozialen, kognitiven und emotionalen Fähigkeiten in den ersten Lebensjahren erlangen die Kinder Verständnis für Medien, deren Charakter und Inhalte. Erst dann kann von Medienrezeption im eigentlichen Sinne gesprochen werden. Wie Kinder Medieninhalte konsumieren, verstehen und interpretieren ist entwicklungsabhängig: Kinder im Kindergartenalter (3 bis 4 Jahre) entwickeln bereits deutliche Vorlieben für bestimmte Medieninhalte – also zum Beispiel für ein bestimmtes Buch, eine Lieblings-CD oder eine Figur aus dem Fernsehen – und beginnen zudem mit ihnen vertrauten Medien selbständig umzugehen. Mit der Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten fangen die Kinder in diesem Alter auch zunehmend an, selbst Geschichten zu erzählen.
Vorschulkinder im Alter von fünf bis sechs Jahren nutzen bereits einen großen Teil der verfügbaren Medien weitgehend selbständig oder mit Unterstützung Älterer. Die höhere Aufmerksamkeitsspanne und Abstraktionsfähigkeit (Fthenakis, Frühe Medienbildung Bildungsverlag EINS. S. 65) von Kindern in diesem Alter machen auch längere und komplexere Projekte realisierbar.
Praxisprojekt: "Ich höre was, was du nicht hörst"
Beispiele und Ideen für medienpädagogische Projekte in Kindergärten gibt es mittlerweile viele. Eine breite Auswahl ist zum Beispiel auf der Plattform Bibernetz zu finden, die sich an pädagogische Fachkräfte im frühkindlichen Bereich wendet. Aber auch in Sachsen hat sich einiges getan. So hat die Sächsische Landesmedienanstalt im Jahr 2010 Initiativen zur frühkindlichen Medienerziehung unterstützt. In diesem Rahmen hat W + M 2000 das überaus erfolgreiche Projekt „Ich höre was, was du nicht hörst“ durchgeführt . Über ein halbes Jahr haben sich Vorschüler aus Sachsen dabei intensiv mit Medien und dem Hörsinn beschäftigt. Sie sind auf Geräuschesafari gegangen, haben Musik gemacht und schließlich ihr eigenes Hörspiel produziert. Im Vogtland, im Erzgebirge, im Leipziger Land und in der Lausitz sind dabei ganz unterschiedliche Produkte entstanden: Von Tiergeschichten bis hin zu einer auditiven Reise in ein Ohr. Höhepunkte des medienpädagogischen Projektes waren unter anderem der Besuch eines Geräuschemachers und Exkursionen zum „echten“ Radio. Projektbegleitend fanden Medienelternabende sowie eine medienpädagogische Fortbildung für die ErzieherInnen der beteiligten Kitas statt.
Weitere Informationen und Linktipps zum Thema:
- Bibernetz: Plattform für pädagogische Fachkräfte im frühkindlichen Bereich
- KIM-Studie 2010: Mediennutzung von Kindern
- "Websites für Kinder": Datenbank von Schulen ans Netz
- Dieter Baacke Preis - Handbuch 4 "Kinder im Blick - Medienkompetenz statt Medienabstinenz