Monatsthema September: Die Mediennutzung der Deutschen

Monatsthema September 2011: Mediennutzung der Deutschen

Web 2.0 stellt Medienpädagogik vor neue Herausforderungen

Die Zahl der Internetnutzer in Deutschland ist hoch wie nie. Fast drei Viertel der Bundesbürger sind online – das sind 2,7 Millionen Menschen mehr als noch vor einem Jahr. So lautet zumindest das Ergebnis der ARD/ZDF-Onlinestudie von 2011.

Damit hat sich das Internet in den vergangenen Jahren zum universellen Kommunikations-, Informations- und Unterhaltungsmedium entwickelt, das sowohl Texte als auch bewegte Bilder und Töne integriert. Die Prognose, dass das Internet die klassischen Medien schon bald ablösen würde, hat sich jedoch nicht bewahrheitet. Statt sich zu substituieren, ergänzen sich die alten und neuen Medien.
Die Nutzungsdauer des Internets hat sich in den vergangenen sechs Jahren fast verdoppelt und liegt aktuell bei 80 Minuten. Über die Gesamtbevölkerung betrachtet ist es damit noch immer weit abgeschlagen hinter den klassischen elektronischen Medien. Durchschnittlich 229 Minuten pro Tag haben Männer und Frauen im ersten Halbjahr vor dem Fernseher verbracht, die tägliche Radionutzung betrug 2011 laut ARD/ZDF-Onlinestudie knapp unter 200 Minuten.

Mediennutzung von Jugendlichen: sozial, interaktiv, mobil

Besonders in der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen hat sich die Mediennutzung in den vergangenen Jahren aber signifikant gewandelt. 2011 ist bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen erstmals das Internet das meist genutzte Medium mit einer täglichen Nutzungsdauer von 147 Minuten, dicht gefolgt vom Fernsehen (146) und Radio (145).
Im Internet verbringt diese Altersgruppe fast die Hälfte der Zeit mit "Kommunikation" in den verschiedensten Formen, gefolgt von Spielen, Informationssuche und Unterhaltung. Insbesondere soziale Online-Netzwerke wie SchülerVZ oder Facebook bringen dabei neue Handlungsräume hervor, die für jugendliche Nutzer von zentraler Bedeutung und für ihr soziales Leben unentbehrlich geworden sind.
Ein weiterer Trend liegt in der zunehmenden Mobilität der Mediennutzung. Fast jeder Jugendliche besitzt ein eigenes Handy, die Ausstattung verbessert sich kontinuierlich. Multifunktionale Handys (sog. Smartphones) ermöglichen Mediennutzung zu jeder Zeit an jedem Ort, ebenso wie Kamerafunktion, Spiele und vieles mehr.

Medienpädagogik 2.0

Zentrale Aufgabe der Medienpädagogik ist die Vermittlung von Medienkompetenz. Ziel ist ein kritischer, selbstbestimmter und auch aktiv-kreativer Umgang mit Medien. Das Web 2.0 hat dabei völlig neue Handlungsfelder für die medienpädagogische Arbeit hervorgebracht.
So spielt zum Beispiel der Umgang mit persönlichen Daten eine wichtige Rolle. Studien zeigen, dass Jugendliche Soziale Online Netzwerke als geschützte Kommunikationsräume empfinden und deshalb oftmals sehr sorglos mit persönlichen Informationen umgehen. An dieser Stelle ist die Medienpädagogik gefordert.

Die Tatsache, dass aktiv-produzierende Nutzungsformen des Internets deutlich seltener vorkommen als passiv-rezipierende bietet einen weiteren wichtigen Ansatzpunkt und eine große Chance für die medienpädagogische Arbeit.
Denn die Partizipationspotentiale des Mediums Internet werden bisher kaum genutzt. Gerade einmal drei Prozent der User sind zum Beispiel auf Plattformen wie YouTube oder Wikipedia in der Form aktiv, dass sie Artikel oder Videos einstellen. Auch in Sozialen Online-Netzwerken wie Facebook beschränkt sich die aktive Teilhabe oftmals auf die Selbstdarstellung im eigenen Profil.
Dabei sind die praktischen Möglichkeiten zur kreativen Arbeit im Web geradezu grenzenlos: Vom Handyfilm über GeoCaching-Projekte, bis hin zur Erstellung von Podcasts, Machinima oder eigenen Online-Spielen. Diese Formen werden in Zukunft aber eine immer größere Rolle Spielen. Denn mit der Mediennutzung müssen sich auch die Inhalte der medienpädagogischen Arbeit ändern.

Weitere Informationen und Links:

- ARD/ZDF Online-Studie 2011

- KIM- und JIM- Studien des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest

- ARD/ZDF Langzeitstudie Massenkommunikation