Monatsthema Dezember 2011

Silversurfer auf dem Vormarsch?

von Oliver Weidlich

Das Internet und seine weitreichenden Entwicklungen haben unsere Gesellschaft grundlegend verändert. Informationen sind frei zugänglich und eine Partizipation an der Mediengesellschaft ist für alle Bürger möglich geworden. Für Kinder, Jugendliche sowie Berufstätige gehört die Nutzung des Internets selbstverständlich zum Leben dazu. Eine Leben ohne Internet ist für viele nicht mehr denkbar. Doch wie steht es um die Akzeptanz und die Nutzung des Internets und seiner Möglichkeiten durch Senioren? Immerhin sind 20 % der Deutschen Bevölkerung über 64 Jahre alt. Von Oliver Weidlich

Eine der am schnellsten wachsenden Nutzergruppen

Laut ARD/ZDF Onlinestudie 2011 nutzen 34,5 % der über 60-jährigen zumindest gelegentlich das Internet. Vor zehn Jahren lag dieser Wert gerade einmal bei 8,1 %. Genutzt wird das Internet von den sogenannten „Silversurfern“ fast ausschließlich am  heimischen PC oder Notebook. Mobile Gerät wie Smartphones oder Tablet Computer spielen so gut wie keine Rolle. Der Internetbranchenverband Bitkom stellte 2011 in einer repräsentativen Untersuchung zur „Netzgesellschaft“ fest, dass die über 64-jährigen das Internet im Durchschnitt maximal zwei Stunden pro Tag nutzen (44 % < 1 h, 45 % 1 - 2 h).

Das Internet als Gewinn für Senioren

Trotz häufig beschworener Gefahren beurteilen Senioren das Internet fast durchweg positiv. 95 % der „Silversurfer“ sehen im Internet einen Gewinn in puncto Information (Bitkom Untersuchung 2010). Vor allem für die Suche nach Informationen und Nachrichten nutztenSenioren das Internet, aber auch die Kommunikation mit (entfernt lebenden) Verwandten und Onlineshopping spielen eine große Rolle. Vor allem das Buchen von Reisen wird von immer mehr Senioren über das Internet getätigt. Mobilitätsbeschränkte Senioren haben aber auch die vielen weiteren Möglichkeiten den Onlineshoppings für sich entdeckt. Gut die Hälfte der im Internet aktiven Senioren gibt an, über das Internet Kontakt zu Freunden zu haben oder sogar alte Freunde wieder gefunden zu haben. Laut Bitkom und Forsa Erhebung von 2010 ist jeder sechste Internetnutzer ab 65 Jahren auch Mitglied eines sozialen Netzwerkes. Dies allerdings nicht ohne gewisse Ängste.

Negative Erfahrungen und Gefahren

Die größten Sorgen haben die älteren Internetnutzer bei Transaktionen für Bankgeschäfte, Buchungen und Einkäufe im Internet. Die Gründe dafür liegen zum einen in mangelnder Aufklärung sowie in der vorwiegend negativen und teilweise für Senioren unverständlichen  Berichterstattung in den „klassischen“ Medien. Onlineshopping kommt für viele Senioren ausschließlich dann in Frage, wenn „Zahlung per Rechnung“ als Bezahloption angeboten wird. Kenntnisse von Onlinebezahlverfahren wie zum Beispiel Paypal sind bei den wenigsten Senioren vorhanden. Betrachtet man die tatsächlichen Erfahrungen von Internetnutzern ab 65 Jahren im Bereich der Online-Kriminalität, so sind diese lediglich sehr selten vorhanden. Eine Ausnahme bilden nur Computerviren. Laut Bitkom Untersuchung von 2010 haben 23 % der Internetnutzer ab 65 Jahren bereits Erfahrungen mit Vireninfektionen gemacht.

Anforderungen an Politik und Medienpädagogik

Wenn Nutzung und Partizipation des Internets durch alle Altersgruppen möglich sein soll, so muss die Medienpädagogik sich der besonderen Anforderungen und Voraussetzungen der Nutzergruppe der über 64-jährigen annehmen. Senioren sehen im Internet teilweise einen anderen persönlichen Mehrwert als Jugendliche oder Berufstätige. Zur Schaffung von Netzkompetenz bei Senioren sind andere pädagogische Ansätze notwendig, da für viele nicht nur das Internet ein völlig neues Medium ist, sondern auch der Computer als solches. Pädagogen müssen die Herausforderung meistern, Basiswissen zur Computer- und Internetnutzung zu vermitteln, ohne dabei zu überfordern. Eine klare Fokussierung auf bestimmte Inhalte sowie permanente Praxisnähe ist bei allen Weiterbildungsprojekten in dieser Zielgruppe besonders wichtig. In der medienpädagogischen Praxis zeigt sich immer wieder, dass auch eine Übersetzung vieler Begriffe rund um Computer und Internet für Senioren in Bildungsprozessen elementar ist, da meist Kenntnisse der englischen Sprache fehlen und so Zusammenhänge nicht erkannt werden können. Nach den hier dargelegten Erkenntnissen, muss besonderer Wert auf das Thema Sicherheit gelegt werden. Grundlegende Sicherheitsregeln sowie die Benutzung von Antiviren-Software muss Bestandteil von Seminaren oder Projekten sein.

Um alle Altersgruppen an der Nutzung des Internets und seiner Möglichkeiten zu beteiligen, muss die Politik das entsprechende Umfeld schaffen. Förderprogramme zur Medien- und Internetkompetenzentwicklung der Generation 60+ sind bis jetzt leider die absolute Ausnahme. Dezentrale Anlaufstellen für Fragen rund um Computer und Internet sowie Aufklärungskampagnen und Informationsmaterial speziell für Senioren könnten helfen, bestehende Ängste und Vorurteile abzubauen. Das Internet kann zudem als generationenverbindendes Medium eingesetzt werden, indem Enkel Ihre Erfahrungen mit den Großeltern auch medial teilen.

Vielen Senioren kennen die Potentiale des Internets und stehen diesen offen gegenüber. Damit Sie diese auch problemlos nutzen können, müssen die „Silversurfer“ bei ihrem Weg ins Internet intensiv begleitet und zu einen sicheren Umgang befähigt werden.

 
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